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Steigender Arbeitsdruck in Österreich — Betriebsräte schlagen Alarm

Arbeitsdruck in Österreich steigt: Betriebsräte schlagen Alarm

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Arbeitsdruck in Österreich steigt: Betriebsräte schlagen Alarm Der Arbeitsdruck in Österreich steigt rasant. Das Strukturwandelbarometer 2026 zeigt: Produktivität wächst auf Kosten der Beschäftigten. AK und ÖGB fordern Maßnahmen. Topics: Nachrichten, Arbeitsmarkt, Wirtschaft.

Die Arbeitsbelastung in Österreich hat ein neues Rekordniveau erreicht. Das zeigt das aktuelle Strukturwandelbarometer 2026, eine repräsentative Studie der Arbeiterkammer (AK) und des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB). Fast 1.500 Betriebsratsvorsitzende wurden vom Meinungsforschungsinstitut IFES befragt — sie vertreten rund 600.000 Beschäftigte aus allen Branchen. Das Ergebnis: Die Produktivität steigt, aber auf Kosten der Gesundheit der Mitarbeiter. Der Arbeitsdruck nimmt zu, das Arbeitsklima verschlechtert sich, Krankenstände bleiben hoch. In diesem Artikel erfahren Sie die wichtigsten Ergebnisse der Studie, was Betriebsräte fordern und was das für Arbeitnehmer in Österreich bedeutet.

Strukturwandelbarometer 2026: Die Studie im Überblick

Das Strukturwandelbarometer wird jährlich von AK und ÖGB in Auftrag gegeben und gilt als eines der wichtigsten Stimmungsbarometer für die Arbeitswelt in Österreich. Für die Ausgabe 2026 befragte IFES von März bis Mai 2026 insgesamt 1.493 Betriebsratsvorsitzende aus Unternehmen aller Größen und Branchen — von der Industrie über den Handel bis zur Dienstleistung.

Die Studie beleuchtet zentrale Themen der Arbeitswelt: Produktivität, Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, Digitalisierung und betriebliche Mitbestimmung. Wie Arbeiterkammer mitteilt, zeigt sich in diesem Jahr ein besonders deutlicher Trend: Die Belastung der Beschäftigten hat in den letzten drei Jahren massiv zugenommen.

Produktivität steigt — auf Kosten der Beschäftigten

73 Prozent der befragten Betriebsratsvorsitzenden geben an, dass Produktivität in ihren Unternehmen eines der wichtigsten Themen ist. Mehr als die Hälfte berichtet, dass die Produktivität in den vergangenen drei Jahren gestiegen ist. Doch die Kehrseite ist alarmierend: Dieser Anstieg erfolgt vielfach nicht durch bessere Prozesse oder Technologien, sondern durch höheren Druck auf die Beschäftigten.

ÖGB Bundesgeschäftsführer Willi Mernyi bringt es auf den Punkt:

Die Steigerung der Produktivität geht eindeutig zu Lasten der Beschäftigten. Der Druck steigt, während die Belastungen immer größer werden. Unternehmen müssen endlich erkennen: Ihre Mitarbeiter:innen sind ihr wichtigstes Kapital. Wer das Arbeitstempo ständig erhöht, gefährdet die Gesundheit der Beschäftigten.

— Willi Mernyi, ÖGB Bundesgeschäftsführer

Als produktivitätssteigernde Maßnahmen nennen die Betriebsräte in erster Linie Prozessoptimierung (61 Prozent), gefolgt von stärkerer Einbindung der Mitarbeiter (59 Prozent), Aus- und Weiterbildung (51 Prozent) und Digitalisierung (41 Prozent). Allerdings setzt nur rund ein Drittel der Betriebe Qualifizierungsstrategien tatsächlich um.

Arbeitsklima verschlechtert sich, Krankenstände bleiben hoch

Die Studie dokumentiert eine klare negative Entwicklung bei mehreren Indikatoren. Das Arbeitsklima hat sich verschlechtert. Die Arbeitsintensität ist gestiegen. Viele Beschäftigte stehen auch in ihrer Freizeit oder während eines Krankenstands unter Druck. Die Krankenstände bleiben auf einem hohen Niveau, wie gesundearbeit.at berichtet.

AK-Direktorin Silvia Hruška-Frank kommentiert: «Die Arbeit wird immer intensiver, was in einer hohen Anzahl von Krankenständen resultiert. Gleichzeitig wird von Vertreter:innen der Wirtschaft nach einem höheren Pensionsalter gerufen — das geht völlig an der Realität vorbei.»

Österreichische Arbeitnehmer im Büro — steigender Arbeitsdruck und Belastung

Diese Entwicklung steht in direktem Widerspruch zur Diskussion um ein höheres Pensionsalter. Wer länger arbeiten soll, braucht gesunde Arbeitsbedingungen und Arbeitsplätze, die auch im Alter bewältigt werden können. Die Betriebsratsvorsitzenden sehen hier dringenden Handlungsbedarf.

Fachkräftemangel und ungenutzte Potenziale

Trotz hoher Arbeitsbelastung klagen viele Unternehmen weiterhin über Fachkräftemangel. 63 Prozent der Betriebsratsvorsitzenden berichten, dass ihr Betrieb grosse oder eher grosse Probleme hat, die benötigten Arbeitskräfte zu finden. Zwar ist dieser Wert niedriger als in den Vorjahren (73 bzw. 85 Prozent), aber immer noch sehr hoch.

Gleichzeitig zeigen viele Unternehmen wenig Bereitschaft, bestimmte Personengruppen einzustellen:

  • 35 Prozent stellen Langzeitarbeitslose gar nicht oder nur ungern ein.
  • 29 Prozent sind zurückhaltend gegenüber Arbeitnehmern über 50 Jahren.
  • 22 Prozent zeigen wenig Bereitschaft, Menschen mit Teilzeitwunsch einzustellen.
  • 17 Prozent schliessen Personen mit Betreuungspflichten aus.

Diese Zurückhaltung verschärft den Fachkräftemangel zusätzlich. Wie PRO-GE betont, liegt hier ein enormes ungenutztes Potenzial für den österreichischen Arbeitsmarkt, das Unternehmen dringend heben sollten.

Betriebsräte als Schlüssel für bessere Arbeitsbedingungen

Die Studie zeigt klar: Wo Betriebsräte gut eingebunden sind, funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Beschäftigten, Betriebsrat und Management besser. Sechs von zehn Befragten sind der Meinung, dass Arbeitnehmer stärker in Entscheidungen eingebunden werden sollten. In der Praxis geschieht das jedoch derzeit nur in einem von neun Betrieben.

Positiv bewertet wird die Kommunikation in den Betrieben: Der Austausch zwischen Belegschaft, Betriebsrat und Management funktioniert überwiegend gut. Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein Warnsignal: Die Einbindung des Betriebsrats in unternehmerische Entscheidungen ist erstmals ins Negative gekippt.

Besprechung mit Betriebsrat in einem österreichischen Unternehmen

Betriebsräte spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der steigenden Arbeitsbelastung. Sie verhandeln Betriebsvereinbarungen, überwachen die Einhaltung von Arbeitnehmerschutzvorschriften und setzen sich für bessere Arbeitsbedingungen ein. In Unternehmen mit Betriebsrat werden laut der IFES-Studie deutlich häufiger Massnahmen zur Reduktion der Arbeitsbelastung ergriffen.

Forderungen von AK und ÖGB

Aus den Ergebnissen des Strukturwandelbarometers leiten AK und ÖGB klare Forderungen ab:

Qualifizierung ausbauen: Eine breit angelegte Aus- und Weiterbildungsoffensive für alle Beschäftigten. Nur so kann die Produktivität nachhaltig gesteigert werden — ohne die Gesundheit der Mitarbeiter zu gefährden.

Gesunde Arbeit bis zur Pension: Unternehmen brauchen altersgerechte Arbeitsplätze und einen konsequenten Fokus auf Gesundheit als entscheidenden Produktivitätsfaktor. Wer länger arbeiten soll, muss auch gesund arbeiten können.

Mitbestimmung stärken: Mehr Einbindung von Betriebsräten und bessere Kommunikation als Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg und soziale Stabilität. Die Studie zeigt: Mitbestimmung lohnt sich für alle Seiten.

Wie ÖGB mitteilt, sehen die Betriebsratsvorsitzenden Qualifizierung als wichtigsten Hebel für nachhaltige Produktivität — noch vor Digitalisierung und Prozessoptimierung.

Was bedeutet das für Arbeitnehmer in Österreich?

Die Ergebnisse des Strukturwandelbarometers 2026 sind ein klares Signal: Die Arbeitsbelastung in Österreich hat ein kritisches Niveau erreicht. Arbeitnehmer sollten sich ihrer Rechte bewusst sein und bei Überlastung das Gespräch mit dem Betriebsrat oder der zuständigen Gewerkschaft suchen.

Bereits jetzt gibt es gesetzlich verankerte Instrumente — etwa die Evaluierung psychischer Belastungen nach dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG). Betriebsräte können diese Evaluierung einfordern und so zu einer systematischen Verbesserung der Arbeitsbedingungen beitragen.

Österreichischer Arbeitnehmer verlässt die Arbeit bei Sonnenschein, Work-Life-Balance

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Strukturwandelbarometer? Das Strukturwandelbarometer ist eine jährliche Befragung von Betriebsratsvorsitzenden in Österreich, durchgeführt von IFES im Auftrag von AK und ÖGB. Es erfasst Stimmungen und Entwicklungen in der Arbeitswelt.

Wie viele Betriebsräte wurden 2026 befragt? Für die Ausgabe 2026 wurden rund 1.500 Betriebsratsvorsitzende befragt, die insgesamt etwa 600.000 Beschäftigte vertreten.

Was sind die Hauptursachen für den steigenden Arbeitsdruck? Die Produktivität steigt, aber oft durch höheren Druck statt durch bessere Prozesse. Hinzu kommen Fachkräftemangel, unbesetzte Stellen und unzureichende Qualifizierungsangebote.

Was fordert die AK gegen den steigenden Arbeitsdruck? AK und ÖGB fordern mehr Qualifizierung, altersgerechte Arbeitsplätze, gesunde Arbeitsbedingungen und eine stärkere Einbindung der Betriebsräte.

Produktivität und Gesundheit müssen Hand in Hand gehen

Das Strukturwandelbarometer 2026 macht deutlich: Produktivität auf Kosten der Beschäftigten ist weder nachhaltig noch sinnvoll. Die Betriebsräte, AK und ÖGB fordern ein Umdenken in der österreichischen Wirtschaft. Statt immer mehr Druck auf die Mitarbeiter auszuüben, sollten Unternehmen in Qualifizierung, gute Arbeitsorganisation und betriebliche Mitbestimmung investieren. Nur so bleibt die Arbeitsbelastung in Österreich auf einem gesunden Niveau — und die Wirtschaft langfristig erfolgreich. Lesen Sie auch unseren Artikel über Arbeitsmarkt und Beschäftigungstrends in Österreich und abonnieren Sie unseren Newsletter, um keine wichtigen Updates zur Arbeitswelt in Österreich zu verpassen.

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