Dürre-Hilfe für Landwirte: Koalition uneins über Milliardenpaket Dürre-Hilfe für Landwirte: Schäden über 1 Mrd. Euro, doch SPÖ und NEOS bremsen. Wer bekommt Geld, wer nicht – alle Fakten zur Regierungskrise. Topics: Nachrichten, Wirtschaft, Politik.
Die Rekorddürre hat Österreichs Landwirtschaft mit 1,08 Milliarden Euro Schaden getroffen, doch die Regierung findet keine Einigung über die Dürre-Hilfe für Landwirte. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) will auch unversicherte Betriebe unterstützen. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) und die NEOS bremsen: Ein „Koste es, was es wolle“ werde es nicht geben. In diesem Artikel erfahren Sie, wie hoch die Schäden wirklich sind, wer wie viel bekommt, warum die Koalition streitet und was die Verhandlungen blockiert.
Über eine Milliarde Euro Schaden
Die Trockenheit hat laut Angaben der Österreichischen Hagelversicherung bereits Schäden von 1,08 Milliarden Euro verursacht. Betroffen ist das gesamte Bundesgebiet: Grünland, Mais, Erdäpfel, Zuckerrüben, Kürbis und Soja, regional auch Getreide. Es ist ein Rekordwert, wie krone.at berichtet.
Zum Vergleich: Die landwirtschaftlichen Einkommen waren 2025 noch kräftig gestiegen. Der Nettounternehmensgewinn kletterte laut Statistik Austria um 24,7 Prozent auf 2,55 Milliarden Euro, der Gesamtproduktionswert um zehn Prozent auf rund 10,9 Milliarden Euro. Die Dürre 2026 frischt einen großen Teil dieser Gewinne wieder auf.
So funktioniert die Hagelversicherung
Ganz auf dem Trockenen sitzen die Betriebe nicht. 67 Prozent der Höfe sind versichert – das entspricht 80 Prozent der Ackerflächen und 40 Prozent des Grünlands. Rund 400 Millionen Euro der 1,08 Milliarden übernimmt die Hagelversicherung. Vorstandschef Kurt Weinberger verspricht: „Wir zahlen rasch aus.“
Insgesamt sind 68.000 der 101.036 landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich versichert. Die Hagelversicherung existiert seit 1947 und arbeitet nicht gewinnorientiert. Bei Dürre-Index-Versicherungen wird automatisch ausgezahlt, wenn bestimmte Parameter wie Niederschlag oder Hitzetage zutreffen. Bei Schadensmeldungen begutachtet vor der Auszahlung ein Sachverständiger die Felder.

Was die Bundesländer fordern
Aus den Ländern kommen immer lautere Forderungen an die Regierung. Kredithilfen allein reichten nicht, lautet der Tenor. Stephan Pernkopf, Landesvize und Bauernbund-Obmann in Niederösterreich, fordert die Aussetzung der Sozialversicherungsbeiträge für ein Quartal – das wären rund 300 Millionen Euro.
Auch die Steiermark und andere Agrarländer drängen auf rasche Entscheidungen. Die Dürre trifft vor allem den Osten und Süden Österreichs. Wie stark einzelne Regionen leiden, zeigt unser Überblick über die Dürre in Österreich, wo der Süden des Burgenlands besonders betroffen ist.
Runder Tisch ohne Ergebnis
ÖVP-Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig hatte am Montag erneut zu einem Runden Tisch zum Thema „Trockenheit in der Landwirtschaft“ geladen. Vertreter aus Land- und Wasserwirtschaft nahmen Platz. Das Ergebnis blieb überschaubar, wie ORF berichtet.
Am Freitag folgte ein Treffen in kleiner, aber prominenter Runde: Totschnig, Finanzminister Markus Marterbauer, SPÖ-Staatssekretärin Michaela Schmidt und NEOS-Nationalratsabgeordnete Karin Doppelbauer. Auch dieses Gespräch endete ohne Einigung. Anfang der Woche soll weiterverhandelt werden. Totschnig spricht von einer „historischen Dürrekatastrophe“ und einer „existenzbedrohenden Notlage“ für die Landwirte.
Warum Finanzminister und NEOS bremsen
Der Finanzminister geht davon aus, dass betroffene Ministerien ihren Teil durch Umschichtungen selbst finanzieren. Das Doppelbudget werde nicht aufgeschnürt, heißt es aus Marterbauers Büro. Eine „Koste-es-was-es-wolle-Politik“ wird es mit uns nicht geben, betont auch SPÖ-Staatssekretärin Michaela Schmidt:
Wir haben derzeit leider wenig Fortschritt. Der Ball liegt nun beim Koalitionspartner. Eine Koste-es-was-es-wolle-Politik wird es mit uns nicht geben.
— Michaela Schmidt, Staatssekretärin im Finanzministerium (SPÖ)
Die NEOS sehen das ähnlich. Sie sind gegen frisches Geld und reine Symptombekämpfung. Auch Fiskalratschef Christoph Badelt ortet wenig budgetären Spielraum: „Frisches Geld sehen wir nicht.“ Die ÖVP schlug zuletzt Hilfen von 200 Millionen Euro aus Rücklagen der Sozialversicherung vor – doch diese bräuchten eine Gegenfinanzierung.

Streit um unversicherte Betriebe
Der heikelste Punkt ist die Entschädigung für Betriebe, die sich nicht versichert haben. Die ÖVP will auch sie unterstützen. SPÖ und NEOS warnen vor einer Überförderung: Würden Unversicherte jetzt entschädigt, könnten künftig mehr Bauern auf staatliche Hilfe statt auf Versicherungen setzen.
Totschnig hält dagegen: Ohne Versicherung gebe es keine Schadensabgeltung für versicherbare Risiken. Er spricht von Zinszuschüssen zu Betriebsmittelkrediten, etwa für den Ankauf von Saatgut oder Futtermitteln. Gleichzeitig lehnt er ab, die 50 Millionen Euro für die Diesel-Steuerbegünstigung der Landwirte (Agrardiesel) als Dürrehilfe umzuwidmen – das wäre nur eine Verschiebung „von der linken in die rechte Tasche“.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist der Dürreschaden in Österreich? Laut Hagelversicherung beläuft sich der Schaden auf mindestens 1,08 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Betroffen sind alle Bundesländer und Kulturen.
Wie viel übernimmt die Hagelversicherung? Rund 400 Millionen Euro. Versichert sind 67 Prozent der Betriebe, das entspricht 80 Prozent der Ackerflächen.
Was fordert die ÖVP? Landwirtschaftsminister Totschnig will zusätzliche Hilfen auch für unversicherte Betriebe, etwa Zinszuschüsse für Betriebsmittelkredite. Er lehnt die Umwidmung des Agrardiesels ab.
Warum bremsen SPÖ und NEOS? Beide verweisen auf die angespannte Budgetlage und fordern treffsichere statt pauschaler Hilfen. Eine „Koste-es-was-es-wolle-Politik“ schließen sie aus.
Was hat das mit dem Klimagesetz zu tun? SPÖ und NEOS verknüpfen die Dürrehilfen mit dem seit Jahren offenen Klimagesetz. Ohne Fortschritt beim Klimaschutz dürfte es auch beim Hilfspaket keine Einigung geben.
Wie es weitergeht
Die FPÖ erhöht den Druck: Parteichef Herbert Kickl droht mit einer Sondersitzung des Nationalrats, falls bis Sonntag kein fertiges Hilfspaket steht. Totschnig erwartet eine Einigung in den nächsten Tagen. Die Prognose der ORF-Wetterredaktion könnte helfen: Nach einem heißen Wochenende sind ab Montag landesweit Regenschauer angesagt.
Für betroffene Landwirte bleibt die Lage vorerst angespannt. Beobachten Sie, ob die Koalition die versprochenen Hilfen für die Landwirtschaft tatsächlich beschließt – und abonnieren Sie unseren Newsletter, um keine Entwicklung zur Dürre-Hilfe zu verpassen.
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