Temu, Shein & Co: So schützen Sie Fotos, Kontakte und Mikrofon
Temu, Shein & Co: So schützen Sie Fotos, Kontakte und Mikrofon Die Shopping-Apps von Temu, Shein und AliExpress greifen auf Fotos, Kontakte und Mikrofon zu. So entziehen Sie den Apps die Berechtigungen in wenigen Minuten. Topics: Nachrichten, Technologie, Wirtschaft.
Einkaufen bei chinesischen Marktplätzen ist längst normal: Wie Krone berichtet, kaufen rund 2,8 Millionen Österreicherinnen und Österreicher im Alter von 16 bis 74 Jahren regelmäßig bei Plattformen wie Temu und Shein ein. Für 46% ist der Preis entscheidend, 32% schätzen die riesige Produktauswahl. Weil die Apps dafür Zugriff auf Fotos, Kontakte, Zwischenablage und Mikrofon verlangen — Daten, die ein Shop für eine Paketzustellung nicht braucht —, denken zuletzt Datenschutzbehörden und Konsumentenschützer lauter mit. Dieser Artikel zeigt, was die Apps tatsächlich sehen können, warum Verbraucherschutzorganisationen Alarm schlagen und wie Sie die Berechtigungen auf Android und iPhone in wenigen Minuten entziehen.
Was Temu, Shein und AliExpress auf Ihrem Handy sehen können
Für den Betrieb braucht eine Shopping-App wenig: Lieferadresse, E-Mail und Zahlungsmethode. In der Praxis fordern die Apps asiatischer Marktplätze deutlich mehr: Zugriff auf die Fotogalerie, das Adressbuch, den genauen Standort, das Mikrofon und die Zwischenablage — dorthin gelangt alles, was Sie kopieren, samt Passwörtern und Kartendaten.
Wie Die Presse unter Verweis auf den Rechtsexperten des österreichischen Vereins für Konsumenteninformation, Maximilian Eder, berichtet, kann die Temu-App — anders als viele andere Shopping-Apps — unbemerkt Screenshots erstellen, im Hintergrund weitere Apps herunterladen oder installieren und den genauen Standort erfassen. Alles wird als „Verbesserung des Service” deklariert, gibt der Plattform aber tieferen Zugriff aufs Gerät, als ein Shop je bräuchte.
Ein Teil der Berechtigungen entsteht schlicht, weil Nutzerinnen im Eifer des Gefechts auf „Zulassen” tippen. Dazu kommt die Sammlung von Verhaltensdaten: Verweildauer, Klicks, Scrollgeschwindigkeit. Das ist der Rohstoff für personalisierte Werbung und maßgeschneiderte „Rabatte”.

Warum die Apps so viele Berechtigungen bekommen
Der Grund liegt im Design selbst. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) kritisiert die sogenannten Dark Patterns der Plattformen: Glücksräder, Countdown-Timer, endlose Couponströme und Pop-ups, die Nutzerinnen dazu bringen, immer mehr Zeit und Geld in der App zu lassen.
Die Benutzeroberfläche ist so gestaltet, dass Nutzerinnen unbeabsichtigt Zustimmungen erteilen — zum Beispiel für Werbung oder das Speichern sensibler Daten.
— Verein für Konsumenteninformation (VKI), österreichische Konsumentenschutzorganisation
Eine Rechnung des VKI ist aufschlussreich: Ein Temu-Konto entsteht mit drei Klicks, das Löschen dauert sieben Schritte und eine Wartefrist von einer Woche. Im Oktober 2025 hat der VKI im Auftrag des Sozialministeriums eine Verbandsklage gegen Temu am Wiener Handelsgericht eingebracht: Die Plattform verstoße gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und den EU Digital Services Act.
Von oben kommt ebenfalls Druck. Wie die Europäische Kommission mitteilt, hat sie im Juli 2025 vorläufig festgestellt, dass Temu gegen den DSA verstößt — die Risiken illegaler Produkte auf dem Marktplatz werden nicht geprüft. Und nach Angaben des Europäischen Parlaments hat die Kommission Temu im Mai 2026 zu 200 Millionen Euro Strafe verurteilt. Solange die Verfahren laufen, bleibt der Schutz Ihrer Daten Ihre eigene Aufgabe.
Berechtigungen auf Android entziehen
Foto- und Kontaktestriff lässt sich in wenigen Minuten kappen, ganz ohne Deinstallation:
- App-Symbol von Temu gedrückt halten → App-Info → Berechtigungen (oder Einstellungen → Apps → Temu).
- Kontakte, Kamera, Mikrofon, Standort und Telefon auf „Nicht zulassen” stellen.
- Bei Fotos „Nur ausgewählte Fotos zulassen” wählen — die App sieht dann nur markierte Bilder, nicht die ganze Galerie.
- Zweite Hintertür schließen: Einstellungen → Apps → Spezieller App-Zugriff → Unbekannte Apps installieren → Temu → ablehnen.
- Push-Benachrichtigungen deaktivieren — so verliert die App ihren wichtigsten Rückholkanal.
Wenn Sie die App für Bestellungen behalten wollen, reicht das Minimum: Speicher (für Rechnungen) und optional Benachrichtigungen. Kamera, Mikrofon und Kontakte braucht keine Shopping-Plattform.
Zugriff auf iPhone einschränken
Am iPhone geht die Kontrolle noch schneller:
- Einstellungen öffnen und bis zur App Temu (oder Shein, AliExpress) nach unten scrollen.
- Kontakte → „Keine”. Mikrofon → aus. Kamera → aus.
- Fotos → „Ausgewählte Fotos” — nur die Bilder markieren, die Sie selbst senden wollen.
- Standort → „Nie” oder „Beim nächsten Mal fragen”, und den Schalter Genauer Standort ausschalten.
- Unter Datenschutz & Sicherheit → App-Tracking das appübergreifende Verfolgen deaktivieren.
Der orangefarbene Punkt oben am Bildschirm zeigt, wann eine App das Mikrofon nutzt. Leuchtet er, obwohl niemand spricht, hört jemand zu — dann zurück zu Schritt 2.

Zusätzliche Schutzmaßnahmen: Anmeldung, Zahlung und Konto
Berechtigungen sind die wichtigste, aber nicht die einzige Verteidigungslinie. Konsumentenschützer raten, sich nicht über Google oder Facebook anzumelden (Single-Sign-On): So verknüpft die Plattform das Social-Media-Profil mit dem Einkaufskonto. Richten Sie stattdessen ein eigenes E-Mail-Postfach für Billig-Shops ein.
Zweitens empfiehlt sich die Webversion statt der App. Ein Browser gibt einer Website keinen Zugriff auf Kontakte, Mikrofon oder Zwischenablage, und das Bestellen funktioniert genauso. Wer nur gelegentlich bestellt, braucht die App gar nicht.
Drittens die Zahlung. Nicht per Vorkasse direkt überweisen, sondern Methoden mit Käuferschutz wie PayPal oder Kreditkarte nutzen. Falls Betrüger Ihre Daten bereits missbraucht haben, beschreibt unser Artikel zu Betrug nach österreichischem Strafrecht die nächsten Schritte. Und: Die Plattformen, die Europa mit Paketen überschwemmen — allein 2024 kamen über 4 Milliarden Billigpakete aus China in die EU —, spielen nach eigenen Regeln. Um den Datenschutz müssen Sie sich dort selbst kümmern.
Häufig gestellte Fragen
Kann Temu meine privaten Nachrichten lesen? Direkt mitlesen können Shopping-Apps SMS nicht — dafür wäre eine eigene Berechtigung nötig, die sie üblicherweise nicht anfordern. Laut Die Presse kann die Temu-App aber unbemerkt Screenshots erstellen: Alles, während die App geöffnet ist, kann festgehalten werden. Sensible Daten also nicht parallel zur Shopping-App öffnen.
Ich habe alle Berechtigungen erteilt. Was passiert mit den gesammelten Daten? Zuerst die Berechtigungen nach der Anleitung oben entziehen — das stoppt den neuen Zugriff. Bereits gespeicherte Daten können Sie löschen lassen: Nach der DSGVO haben Sie ein Recht auf Löschung (Artikel 17), der Antrag geht an den Support der Plattform. Das Konto selbst zu löschen ist mühsamer: sieben Schritte und eine Woche Wartezeit, wie der VKI berechnet hat.
Ist die Webversion sicherer als die App? Ja. Eine Website im Browser erhält keinen Zugriff auf Kontakte, Fotos, Mikrofon oder Zwischenablage, und das Bestellen funktioniert fast identisch. Wer nur ein paar Mal im Jahr kauft, braucht die App nicht.
App löschen oder nur Berechtigungen entziehen — was ist besser? Entzogene Berechtigungen stoppen die neue Datensammlung, aber die App läuft im Hintergrund weiter. Wenn keine Bestellungen geplant sind, ist es am besten, die App zu löschen und den Support um Löschung von Konto und Daten zu bitten.
Was Sie jetzt tun können: die kurze Checkliste
Den Zugriff auf Fotos, Kontakte und Mikrofon nehmen Sie den Shopping-Apps in fünf Minuten weg — ohne auf Schnäppchenpreise zu verzichten. Prüfen Sie heute:
- Berechtigungen für Temu, Shein, AliExpress: Fotos — „ausgewählte”, Kontakte und Mikrofon — verweigert
- Standort — „nie” oder ohne genauen Modus
- Unbekannte Apps installieren für Temu — aus (Android)
- App-Tracking geräteübergreifend — aus (iPhone)
- Anmeldung ohne Google/Facebook, eigene E-Mail für Shops
- Push-Benachrichtigungen der Shopping-Plattformen — aus
Die Europäische Kommission und der österreichische Konsumentenschutz üben Druck aus — die VKI-Klage und die EU-Strafe zeigen, dass er wirkt. Bis die Regeln der Praxis hinterherkommen, schützen Sie Ihre Privatsphäre in den Einstellungen des Handys. Weitere praktische Ratgeber zum Leben in Österreich finden Sie in unserem Newsletter: kurze E-Mails einmal pro Woche, ohne Spam.
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