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Leonore Gewessler und die veränderte grüne Haltung Österreichs — Wien, Parlament an der Ringstraße
Leonore Gewessler: Die grüne Haltung hat sich sicher verändert
Nachrichten

Leonore Gewessler: Die grüne Haltung hat sich sicher verändert Leonore Gewessler im Interview mit der Presse: Ceuta-Migration, Neutralität und NATO, Reichensteuer, Hitze und Kickl. Warum sich die grüne Haltung verändert hat und was die ORF-Sommergespräche bringen. Topics: Nachrichten, Politik.

Die Bundessprecherin der Grünen, Leonore Gewessler, hat der Presse ein großes Interview gegeben — zu fünf brisanten Themen zugleich: dem Grenzsturm in Ceuta, der Wehrdienstreform, Neutralität und einem möglichen NATO-Beitritt, der Reichensteuer und der Hitzewelle mit Klimaanlagen. Der zentrale Satz des Gesprächs betrifft die grüne Haltung zur Neutralität: Auch Frieden, sagt Gewessler, müsse verteidigt werden. Hier ist, was die Parteichefin wirklich gesagt hat, wie sich das auf Koalitionsverhandlungen zu Energie und Wehrdienst auswirkt und warum ihre Worte im Jahr 2026 wichtig sind.

Was Gewessler zu Migration und dem Grenzsturm in Ceuta sagte

Gewessler gab zu, dass die Bilder von der spanischen Enklave Ceuta sie mit Sorge erfüllt haben. Ihr Prinzip in Asyl- und Migrationsfragen ruht auf zwei Säulen — Menschlichkeit und Ordnung. Ordnung bedeute, dass Europa nicht innerhalb von 24 Stunden unter Druck gesetzt werden dürfe — durch Schlepper oder den Einfluss anderer Staaten.

Sie verwies außerdem auf Berichte, wonach Russland bei der Desinformation eine Rolle gespielt habe: „Das sollte alle Sorgen machen.” Gleichzeitig glaubt sie, dass Europa beim Schutz der Grenzen nicht gescheitert ist — die meisten Migranten seien innerhalb eines Tages nach Marokko zurückgekehrt, nachdem sie merkten, dass man sie in den sozialen Medien belogen habe. Von Unordnung, so Gewessler, profitierten nur die rechtsextremen Kräfte — daher sei die Kontrolle darüber, wer nach Europa kommt, notwendig.

Wir brauchen eine Kontrolle, wer nach Europa kommt. Denn von der Unordnung profitieren nur die rechtsextremen Kräfte.

— Leonore Gewessler, Bundessprecherin der Grünen

Wehrdienstreform: Die Grünen sagen nicht einfach „Ja und Amen”

Der zweite Block des Interviews drehte sich um die Wehrdienstreform. Die Regierung hat ein halbes Jahr mit der Formel „8 plus 2” verbracht, eine Volksbefragung versprochen und am Ende einen Kompromiss geliefert, bei dem — so Gewessler — „die Regierung entschieden hat, dass sie gescheiter ist als die Experten”.

Die Grünen fordern Nachverhandlungen mit der Regierung und warten auf einen Gesetzesentwurf, den es noch nicht gibt. „Wenn die Erwartungshaltung ist, dass die Grünen einfach ‘Ja und Amen’ sagen, wird es nicht gehen”, sagte sie. Sie erinnerte daran, dass ein junger Mann, der im Jänner 2027 einrückt, Klarheit verdient habe — und die gibt es noch nicht. Das Thema hängt mit den größeren politischen Prozessen des Jahres 2026 zusammen, die wir in unserem Überblick zu den Änderungen im August zusammengefasst haben.

Leonore Gewessler bei einer Pressekonferenz der Grünen in Wien

Neutralität und NATO: Die grüne Haltung hat sich verändert

Der lauteste Passus des Interviews betraf die Neutralität. Gewessler bestätigte, dass sich die grüne Haltung zur Neutralität sicher verändert hat: „Die Veränderung ist, dass Frieden auch verteidigt werden muss.” Die Partei bleibe eine Friedenspartei, aber Neutralität dürfe keine Ausrede sein.

Sie ging scharf mit den „Pseudo-Patrioten” der FPÖ ins Gericht, die sich ihrer Meinung nach an Russland anbiedern. Österreich, betonte Gewessler, sei keine Insel der Seligen und müsse einen Beitrag zum Frieden leisten — statt sich hinter der Neutralität zu verstecken.

Reichensteuer und der „linke Kurs” der Grünen

Auf die Frage nach dem „Eat the rich”-Kurs mancher europäischer Grüner Parteien wich Gewessler aus, bejahte die Agenda aber im Kern. Sie erinnerte daran, dass die Grünen im Vorjahr die einzige Partei waren, die verlangte, das Budget nicht auf dem Rücken der Armen, sondern der Superreichen zu konsolidieren.

Sie listete außerdem Vorwürfe an die Regierung in der Frauenpolitik auf: von einem Wirtschaftsminister, der Frauen bei Teilzeitarbeit „zu faul” nennt, bis zu einem Kanzler, der sagt, Kindererziehung sei keine Arbeit. Laut Gewessler sind die Grünen die Einzigen, die den Frauen „den Rücken freihalten”.

Hitze, Klimaanlagen und Wasser: Klimaschutz ohne Ideologie

Gewessler gab zu, selbst keine Klimaanlage zu Hause zu haben — „mir ist gerade auch sehr heiß”. Aber sie verteidigte Klimaanlagen gegen jene, die sie als „rechtes Symbol” eines polarisierten Klimadebatte bezeichnen: In Krankenhäusern und Pflegeheimen sei Kühlung bei 40 Grad schlicht notwendig.

Sie kritisierte die Regierung außerdem wegen der Wasserkrise: Landwirte müssten Tiere schlachten, weil kein Futter wächst, während das Wasserentnahmeregister vom Umweltminister schon zum fünften Mal angekündigt worden sei. „Derzeit haben wir eine Gesetzeslage wie vor 70 Jahren”, resümierte sie. Die Wirtschaft steht ohnehin unter Druck — mehr zu den Debatten über Rente und Arbeit finden Sie in unserem Artikel zum längeren Arbeiten.

Sitzungssaal des österreichischen Nationalrats — die grüne Haltung zur Sicherheit

Kickl, Kaffee und die ORF-Sommergespräche

Auf die Frage, ob sie mit FPÖ-Chef Herbert Kickl Kaffee trinken gehe, antwortete Gewessler knapp: Es gebe keinen persönlichen Austausch und sie wisse nicht, was sie mit ihm besprechen sollte — „aber ich grüße prinzipiell alle Menschen”. Sie warf der FPÖ erneut vor, dass es ihr „wurscht” sei, wenn es den Menschen schlecht geht, und verwies auf Identitäre als parlamentarische Mitarbeiter.

Am Montag, 10. August, eröffnet Gewessler die ORF-Sommergespräche — das Gespräch mit Simone Stribl läuft um 21 Uhr auf ORF 2. Es wird die Jahresprüfung für die Grünen-Chefin, die die Partei vor genau einem Jahr von Werner Kogler übernommen hat.

Sommerliches Wien in der Hitze — Ringstraße und Brunnen

Was kommt als Nächstes: Energie und ein möglicher „fliegender Wechsel”

Im Interview bestätigte Gewessler die Gesprächsbereitschaft der Grünen bei Energiegesetzen ohne Sperrminorität im Tausch gegen Bundeskompetenzen in der Raumplanung — Österreich brauche, so sagt sie, 100 neue Windräder pro Jahr.

Sie beantwortete auch die Frage nach einem möglichen Ausstieg der NEOS aus der Koalition: Wenn die Liberalen aussteigen, hätten ÖVP und SPÖ weiterhin eine Mehrheit, und wenn die Regierung scheitert, werde neu gewählt. Beobachter fragen sich bereits, ob die Partei nach dem Regierungswechsel ihre Position halten kann — den vollständigen politischen Kalender finden Sie in unserem Überblick zu den Änderungen im August.

Häufig gestellte Fragen

Was genau hat Gewessler zur Neutralität Österreichs gesagt?

Gewessler sagte, die grüne Haltung zur Neutralität habe sich sicher verändert: Frieden müsse verteidigt werden, und Neutralität dürfe keine Ausrede sein. Die Partei bleibe eine Friedenspartei, aber Österreich solle einen Beitrag zum Frieden leisten, statt sich wie die FPÖ an Russland anzubiedern.

Werden die Grünen bei der Wehrdienstreform Kompromisse machen?

Nicht ohne Verhandlungen — Gewessler verlangt einen Gesetzesentwurf und Gespräche mit der Regierung. Die Formel „8 plus 2” und das Fehlen von Expertenbeteiligung lehnt sie ab: „Wenn die Erwartungshaltung ist, dass die Grünen ‘Ja und Amen’ sagen, wird es nicht gehen.”

Was hat Gewessler zu Klimaanlagen und Hitze gesagt?

Sie hat selbst keine Klimaanlage zu Hause, verteidigt aber deren Notwendigkeit: In Krankenhäusern sei Kühlung bei 40 Grad kritisch. Sie kritisierte die Regierung außerdem wegen der ungelösten Wasserkrise und des verzögerten Wasserentnahmeregisters.

Wann ist Gewessler bei den ORF-Sommergesprächen zu sehen?

Am Montag, 10. August 2026, um 21 Uhr auf ORF 2. Das Gespräch mit Simone Stribl ist das erste der Saison und die Jahresprüfung für die Grünen-Chefin.

Fazit: Was dieses Interview für die österreichische Politik bedeutet

Das Interview von Gewessler in der Presse setzt die Agenda für August: Die Grünen sind bereit, über Neutralität zu sprechen, verlangen Verhandlungen zum Wehrdienst und positionieren sich als einzige „ehrliche” Opposition. Der zentrale Punkt — die grüne Haltung zur Sicherheit hat sich verändert — wird die ORF-Sommergespräche prägen.

Für alle, die Österreich beobachten, ist das ein Signal: Die politische Landschaft des Landes formt sich aktiv neu, und Entscheidungen zu Neutralität, Wehrdienst und Klima werden alle Einwohner betreffen. Bleiben Sie informiert — abonnieren Sie unseren Newsletter, um keine Analyse der wichtigsten Ereignisse in Österreich zu verpassen.

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