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Niedriger Pegelstand der Donau — Frachtschiffe auf dem ausgetrockneten Flussbett bei Wien
Niedriger Pegelstand der Donau: So schadet er Österreichs Wirtschaft
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Niedriger Pegelstand der Donau: So schadet er Österreichs Wirtschaft Niedriger Pegelstand der Donau schadet der Wirtschaft: Voestalpine verlagert Güter auf die Bahn, Reedereien fordern eine staatlich bezuschusste Niedrigwasserversicherung. Topics: Nachrichten, Wirtschaft, Verkehr.

Die Donau ist Österreichs wichtigster Wasserweg für schwere Güter — doch der niedrige Pegelstand der Donau zwingt die Industrie in diesem Sommer zu teuren Umwegen. An mehreren Pegeln des Flusses liegen die Wasserstände rund 50 Zentimeter unter dem sogenannten Regulierungsniederwasser, einem wichtigen Orientierungswert für die Schifffahrt. Die Ursachen: zu wenig Schneeschmelze im Winter, kaum Niederschlag seit Jahresbeginn und hohe Sommertemperaturen, die die Verdunstung antreiben. Der Stahlkonzern Voestalpine hat bereits angekündigt, seine Warenströme von der Donau auf die Bahn zu verlegen. In diesem Artikel erklären wir, warum der Wasserstand so tief steht, welche Branchen der niedrige Pegelstand der Donau am härtesten trifft, was Reedereien und die Wirtschaftskammer fordern — und warum der Rhein als Warnung dient.

Warum der Pegelstand der Donau so niedrig ist

Der niedrige Wasserstand der Donau ist das Ergebnis einer toxischen Mischung aus drei Faktoren. Im Winter kamen zu geringe Wassermengen durch die Schneeschmelze zustande, seit Jahresbeginn gibt es wenig Niederschlag, und die nach wie vor hohen Sommertemperaturen erhöhen die Verdunstung. Die Rekordhitze dieses Sommers verändert dabei längst den Alltag im ganzen Land, wie wir in unserem Artikel über die Hitze und ihre Folgen gezeigt haben. Wie Die Presse berichtet, liegen die Wasserstände an mehreren Pegeln des Flusses rund 50 Zentimeter unter dem Regulierungsniederwasser — einem wichtigen Orientierungswert für die Schifffahrt.

Eine behördliche Sperre der Donau gibt es laut dem Wasserstraßenbetreiber Viadonau nicht. Reedereien und Schiffsführer entscheiden selbst, ob ihre Schiffe fahren können. Die Situation stellt Unternehmen aber vor ernsthafte logistische Herausforderungen: Wer nicht fahren kann, muss auf Schiene oder Straße ausweichen — und das ist teuer.

Frachtschiff auf der Donau bei niedrigem Wasserstand, Sandbänke ragen aus dem Fluss — niedriger Pegelstand der Donau im Sommer 2026

Sechs Millionen Tonnen Güter: die Donau als Wirtschaftsader

Für die heimische Industrie ist die Donau ein wichtiger Transportweg. Im vergangenen Jahr wurden rund sechs Millionen Tonnen an Gütern über sie verschifft. Etwa 2,4 Millionen Tonnen davon gingen aus Österreich hinaus, ungefähr die gleiche Menge kam als Import ins Land. Besonders in der Nähe von Bad Deutsch-Altenburg sind infolge der geringen Wasserstände vereinzelt Sandbänke sichtbar.

Ein einziges Güterschiff transportiert das Äquivalent von 90 Eisenbahnwaggons oder 150 Lkw. Der Wasserverkehr ist besonders für schwere und große Güter praktisch, die nur in geringen Mengen über Autobahnen geführt werden können. Das betrifft unter anderem Bauteile für Windräder, Fahrzeuge, landwirtschaftliche Güter und Mineralölprodukte. Wenn die Donau ausfällt, muss die Logistik dieser Branchen komplett umgeplant werden.

Voestalpine verlagert Warenströme auf die Bahn

Der Stahlkonzern Voestalpine hat vergangene Woche angekündigt, seine Warenströme von der Donau auf die Bahn zu verlegen. Konzernchef Herbert Eibensteiner betonte, dass es sich nur um eine kleine Menge der abgewickelten Waren handle und dadurch keine Mehrkosten entstünden. Zugleich warnte er vor den Folgen einer anhaltenden Trockenheit: „Im September muss es dann aber schon einmal regnen, um die Donau wieder schiffbar zu machen.”

Für Voestalpine ist die Donau eine wichtige Route, um Roherz und Koks zu bekommen und Stahlteile abzutransportieren. Der Umstieg auf die Bahn ist für den Konzern möglich, weil er über eigene Anschlussgleise verfügt — ein Luxus, den sich viele andere Unternehmen nicht leisten können. Wer keine Bahnanbindung hat, muss auf Lkw ausweichen oder auf die Schifffahrt warten.

Hafenumschlag an der Donau: Containerkräne und Stahlteile werden verladen — Wirtschaft am niedrigen Pegelstand der Donau

Ein Schiff ersetzt 150 Lkw: Warum Ausweichen teuer ist

Ein Umstieg auf andere Transportmittel sei nicht immer so einfach, sagt Helmut Habersack, Leiter des Instituts für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU). „Durch einen Wechsel auf Schiene oder Lkw steigt die Nachfrage in dem Bereich, was die Kosten erhöht. Zudem entstehen Verzögerungen, die Rückstaus verursachen und Lagerkapazitäten erfordern”, so Habersack zur Presse.

Der größte wirtschaftliche Schaden entstehe aber für die Schifffahrtsunternehmen, sagt Alexander Klacska, Spartenobmann für Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer. Für sie fordert er eine bessere finanzielle Absicherung in Form einer staatlich bezuschussten Niedrigwasserversicherung, ähnlich wie die Hagelversicherung für die Landwirtschaft. Ohne eine solche Absicherung tragen die Reedereien das volle wirtschaftliche Risiko eines ausfallenden Transportwegs — und das in einem Jahr, in dem ohnehin schon die Dürre der Landwirtschaft einen Schaden von einer Milliarde Euro zugefügt hat.

Reedereien fordern eine Niedrigwasserversicherung

„Zum Großteil des Jahres ist die Donau ein zuverlässiger Transportweg”, sagt Klacska. Im Jahr 2007 wurden noch rund zehn Millionen Tonnen an Gütern über den Fluss verschifft, seither ist die Menge rückläufig. „Wir müssen das Vertrauen in die Donau zurückgewinnen. Die Schifffahrt ist ein ökologisches Transportmittel, das CO2-neutral gemacht werden kann.”

Das beste Mittel gegen Niedrigwasser wären umfangreiche Niederschläge. „Wir warten und hoffen auf den Regen”, sagt Klacska. Geringere Temperaturen könnten laut Helmut Habersack zudem dafür sorgen, dass die Verdunstung nicht mehr so stark weitergeht. Wie teuer der geringe Donaupegel für die heimische Wirtschaft insgesamt wird, hängt vom Wetter der kommenden Monate ab. Zum Vergleich: Auch viele österreichische Seen verzeichnen sinkende Pegelstände, und das Niedrigwasser der Donau hat sogar historische Nazi-Relikte freigelegt.

Europaweites Management statt lokaler Notlösungen

Mit einem besseren länderübergreifenden Management könnte auch bei niedrigen Wasserständen mehr Material bewegt werden. Wenn es etwa zu Versandungen in anderen Ländern kommt, müssten Ausbaggerungen schneller erfolgen. „Die Qualität ist hier nicht in allen Donau-Anrainerstaaten gleich gut. Ein europaweites Management könnte die Fahrrinne besser freihalten und Transportsicherheit gewährleisten”, sagt Habersack.

Die Donau fließt durch zehn Länder, und jeder Anrainerstaat betreibt seinen Abschnitt anders. Während Österreich mit der Viadonau einen effizienten Wasserstraßenbetreiber hat, verzögern sich Baggerarbeiten andernorts oft über Wochen. Ein koordiniertes europäisches Management könnte die Fahrrinne auch bei Niedrigwasser schiffbar halten — und damit die Wirtschaftskosten senken, die der niedrige Pegelstand der Donau verursacht.

Trockengefallene Sandbänke in der Donau bei niedrigem Wasserstand — der niedrige Pegelstand der Donau legt den Flussgrund frei

Rhein als Warnung: die wirtschaftlichen Risiken des Niedrigwassers

Viel größere wirtschaftliche Probleme als der Donaupegel verursacht das Niedrigwasser des Rheins. Als zentrale Schlagader für den deutschen Güterverkehr wurden 2025 knapp 100 Millionen Tonnen an Waren über den Fluss transportiert. Mehrere Bundesländer haben daher das Sonntagsfahrverbot für Lkw auf Autobahnen ausgesetzt, um Alternativkapazitäten für betroffene Unternehmen zu schaffen — ein drastischer Schritt, der zeigt, wie schnell ein ausfallender Wasserweg die Straßen und Schienen überlastet.

Österreich kann von diesen Erfahrungen lernen. Die ÖBB und die Schienenlogistik dürften bei anhaltendem Niedrigwasser stärker gefordert sein, während sich die Bahn schon heute mit Verspätungen und Engpässen herumschlägt. Zugleich zeigt der wasserarme Sommer, wie wichtig langfristige Investitionen in den Hochwasserschutz bleiben — wer bei Rekordtiefständen spart, darf bei der nächsten Flut nicht überrascht sein, wie unser Überblick zum Hochwasserschutz in Österreich verdeutlicht. Sollte der Regen ausbleiben, steigen die Transportkosten für Stahl, Windkraftanlagen, Mineralölprodukte und landwirtschaftliche Güter — und damit letztlich auch die Preise für Verbraucher.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist der Pegelstand der Donau so niedrig? Zu wenig Schneeschmelze im Winter, kaum Niederschlag seit Jahresbeginn und hohe Sommertemperaturen, die die Verdunstung erhöhen. An mehreren Pegeln liegen die Wasserstände rund 50 Zentimeter unter dem Regulierungsniederwasser.

Ist die Donau für die Schifffahrt gesperrt? Nein. Laut dem Wasserstraßenbetreiber Viadonau gibt es keine behördliche Sperre. Reedereien und Schiffsführer entscheiden selbst, ob ihre Schiffe fahren können.

Welche Unternehmen sind am stärksten betroffen? Vor allem die Schifffahrtsunternehmen, die den größten wirtschaftlichen Schaden tragen, sowie Industriebetriebe wie die Voestalpine, die Roherz, Koks und Stahlteile über den Fluss transportieren. Auch Logistiker für Windrad-Bauteile, Fahrzeuge und Mineralölprodukte sind betroffen.

Was fordern die Reedereien? Die Wirtschaftskammer fordert eine staatlich bezuschusste Niedrigwasserversicherung, ähnlich der Hagelversicherung für die Landwirtschaft, sowie ein besseres europaweites Management der Fahrrinne.

Wie es weitergeht

Der niedrige Pegelstand der Donau ist kein vorübergehendes Ärgernis, sondern ein wirtschaftlicher Risikofaktor: Sechs Millionen Tonnen Güter hängen von einem Wasserweg ab, der bei anhaltender Trockenheit ausfällt. Die wichtigsten Lehren aus diesem Sommer: Die Industrie braucht belastbare Alternativen auf Schiene und Straße, die Reedereien brauchen eine Absicherung gegen Niedrigwasser, und Europa braucht ein besseres Management der Fahrrinne. Verfolgen Sie unsere Berichterstattung zu Wirtschaft und Wetter in Österreich — abonnieren Sie unseren Newsletter, damit Sie keine wichtigen Entwicklungen verpassen.

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