Pensionsantritt mit 65 und 45 Arbeitsjahren: Mattles Vorschlag Tirols Landeshauptmann Mattle will den Pensionsantritt frühestens mit 65 und nur nach 45 Arbeitsjahren erlauben. Was das für künftige Pensionisten bedeutet. Topics: Nachrichten, Politik, Wirtschaft.
Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) hat einen Vorschlag vorgelegt, der das österreichische Pensionssystem grundlegend verändern könnte: in den Ruhestand wechseln soll man frühestens mit 65 und nur nach 45 Arbeitsjahren. Seine Idee präsentierte er im Ö1-„Mittagsjournal”, wie ORF Tirol berichtet. Nach Mattles Überzeugung ist ein System, das sich nur am Alter orientiert, überholt — entscheidend sei, wie viele Jahre jemand tatsächlich in das System eingezahlt hat. Für Eltern schlägt er vor, Betreuungsjahre als Arbeitszeit anzurechnen. Der Artikel erklärt, was genau der Politiker vorschlägt, wie sich das mit dem geltenden Recht vereinbaren lässt und wer die Initiative unterstützt oder ablehnt.
Der Kern des Vorschlags: Pensionsantritt mit 65 und 45 Arbeitsjahren
Anton Mattle will den Pensionsantritt nicht nur am Alter, sondern an den eingezahlten Jahren festmachen. Konkret: In Pension gehen soll man frühestens mit 65, aber erst nach mindestens 45 Jahren, in denen Beiträge in das Pensionssystem eingezahlt wurden.
Wer keine 45 Jahre nachweisen kann, müsste länger als bis 65 arbeiten. „Das ist auch das Pensionsantrittsalter, das bisher gesetzlich fixiert ist”, erinnerte der Landeshauptmann im Interview. Wie die Krone schreibt, will Mattle von einem System weg, „das sich einzig und allein an den Lebensjahren orientiert”.
Eine Reform des Pensionssystems ist tatsächlich etwas ganz, ganz Wichtiges. Ich wäre ein Fan eines Systems, wo gefragt wird: Wie viele Jahre habe ich in ein System auch eingezahlt?
— Anton Mattle, Landeshauptmann von Tirol (ÖVP)
Betreuungsjahre als Arbeitszeit anrechnen
Ein zentraler Baustein des Vorschlags ist die Anrechnung von Betreuungsjahre als Arbeitszeit. Mattle hält es für notwendig, dass Jahre, in denen Mütter und Väter Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, wie bezahlte Arbeit zählen.
„Mir scheint es schon auch notwendig, dass man gerade Betreuungsjahre von Müttern und Vätern, Versorgungsverpflichtungen mit in diese Arbeitszeit hineinrechnet”, erklärte der Politiker. Das ist wichtig, weil genau solche Karriereunterbrechungen zu fehlenden Versicherungszeiten und damit zu niedrigeren Pensionen führen — vor allem bei Frauen.
Österreich schreibt derzeit pro Kind bis zu 60 Monate (5 Jahre) Kindererziehungszeit auf das Pensionskonto gut. Ob der neue Vorschlag diese Regeln ändern würde, ist offen — vorerst handelt es sich um eine politische Initiative, nicht um einen Gesetzesentwurf.
So passt das zum geltenden Recht
Heute liegt das reguläre Pensionsantrittsalter in Österreich bei 65 Jahren für Männer. Bei Frauen wird es schrittweise von 60 auf 65 angehoben: Laut Pensionsversicherungsanstalt gehen Frauen, die nach dem 1. Juli 1968 geboren sind, mit 65 in Pension.
Bereits jetzt gibt es Varianten mit geringeren Versicherungszeiten:
| Variante | Alter | Versicherungszeit |
|---|---|---|
| Regelpension (Alterspension) | 65 | 15 Jahre (180 Monate) |
| Korridorpension | ab 62 | 40 Jahre (480 Monate) |
| Langzeitversichertenpension („Hacklerregelung”) | 62 | 45 Jahre (540 Monate) |
| Schwerarbeitspension | ab 60 | 45 Jahre, davon 10 Jahre Schwerarbeit |
Interessant ist: 45 Jahre sind im System bereits angelegt. Die Pensionsformel 80/65/45 bedeutet, dass man mit 65 Lebensjahren und 45 Beitragsjahren rund 80 Prozent des Durchschnittseinkommens erhält. Mattles Vorschlag würde diese Kombination praktisch zur Pflicht machen statt zur Option.
Wer die Initiative unterstützt und wer sie ablehnt
Die Idee stößt auf geteilte Reaktionen. Einen ähnlichen Vorstoß hatte zuletzt Seniorenbund-Obfrau Ingrid Korosec (ÖVP) lanciert: Auch sie will das Antrittsalter an Berufsjahren festmachen — ob 40, 42 oder 45 Jahre, müsse man sich einigen.
Die SPÖ lehnt den Vorschlag jedoch ab, ebenso der SPÖ-Pensionistenverband. Die FPÖ Tirols nannte die Initiative unüberlegt: Landtagsabgeordneter Patrick Haslwanter sagte, Menschen in körperlich und psychisch fordernden Berufen könnten „nach 40 oder mehr Jahren einfach nicht mehr”.
Die NEOS begrüßten hingegen den Beginn einer Diskussion über das Pensionsalter — die Partei fordert seit langem eine an der demografischen Realität orientierte Reform.
Was der Vorschlag für künftige Pensionisten bedeutet
Würde die Idee Gesetz, beträfe das Millionen Menschen. Wer mit 20 zu arbeiten beginnt, erreicht mit 65 genau 45 Beitragsjahre — er würde nichts verlieren. Doch wer spät ins Berufsleben startet, Studienzeiten oder Arbeitslosigkeit einlegt, könnte nicht genug Jahre sammeln und länger arbeiten müssen.
Besonders betroffen sind Frauen: Wegen Kindererziehungszeiten ist ihr Versicherungsverlauf kürzer als der von Männern. Genau deshalb beharrt Mattle auf der Anrechnung von Betreuungsjahre. Expertinnen und Experten merken allerdings an: Ohne klaren Mechanismus zur Umrechnung solcher Zeiten könnte der Vorschlag die Pensionsschere weiter öffnen.
Zum Vergleich: Die Durchschnittspension in Österreich lag 2025 bei rund 1.900 Euro pro Monat, Frauen erhalten etwa 40 Prozent weniger als Männer. Jede Verschärfung der Antrittsregeln wirkt sich direkt auf diese Zahlen aus.
Realisierungschancen und nächste Schritte
Vorerst handelt es sich um eine politische Initiative, nicht um einen Gesetzesentwurf. Mattle ist Landeshauptmann von Tirol — seine Stimme zählt, aber die Pensionsreform wird auf Bundesebene entschieden. 2026 gehört die Zukunft des Pensionssystems angesichts der alternden Gesellschaft zu den wichtigsten Themen der österreichischen Politik.
Wie Die Presse berichtet, sucht die Regierung bereits nach Wegen, Milliarden bei den Pensionen einzusparen. Mattles Initiative ist Teil dieser großen Debatte — ihr Ausgang hängt von den Verhandlungen zwischen den Parteien ab.
Häufig gestellte Fragen
Kann man in Österreich derzeit vor 65 in Pension gehen?
Ja. Es gibt die Korridorpension (ab 62 mit 40 Beitragsjahren), die Langzeitversichertenpension (ab 62 mit 45 Jahren) und die Schwerarbeitspension (ab 60). Ab 2026 werden die Bedingungen für die Korridorpension schrittweise verschärft.
Was zählt als 45 Arbeitsjahre und wie werden sie berechnet?
Gemeint sind alle Jahre, in denen Beiträge in das Pensionssystem eingezahlt wurden: unselbstständige Arbeit, Selbstständigkeit sowie angerechnete Zeiten (Kindererziehung, Präsenzdienst, in bestimmten Fällen Arbeitslosigkeit). Den eigenen Verlauf kann man am Pensionskonto einsehen.
Gehen Frauen in Österreich derzeit später in Pension als Männer?
Früher ja — Frauen gingen mit 60 in Pension. Seit 1. Jänner 2024 wird das Antrittsalter schrittweise auf 65 angehoben. Frauen, die nach dem 1. Juli 1968 geboren sind, gehen mit 65 in Pension, wie Männer.
Wird die Pension in Österreich durch Mattles Vorschlag kleiner?
Der Vorschlag selbst kürzt keine Pensionshöhen — er ändert die Regeln für den Pensionsantritt. Wer aber keine 45 Jahre erreicht und länger arbeiten muss, kann über die gesamte Bezugsdauer betrachtet weniger erhalten als bei einem früheren Antritt.
Was Sie jetzt tun können
Solange keine Reform beschlossen ist, gelten die aktuellen Regeln. So machen Sie sich fit für mögliche Änderungen:
- Prüfen Sie Ihren Versicherungsverlauf am Pensionskonto — sehen Sie, wie viele Beitragsjahre Sie bereits haben
- Wenn Sie eine Frau sind und vor 1968 geboren wurden, klären Sie Ihr individuelles Pensionsantrittsalter
- Erwägen Sie freiwillige Beiträge, falls Ihnen die Jahre fehlen könnten
- Verfolgen Sie die Nachrichten — ein Gesetzesentwurf würde im Nationalrat debattiert
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