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Sozialhilfe und Kinder-Richtsätze – Ministeriumsgebäude an der Wiener Ringstrasse

Sozialhilfe und Kinder-Richtsätze: Warum Caritas und Volkshilfe warnen

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Sozialhilfe und Kinder-Richtsätze: Warum Caritas und Volkshilfe warnen Sozialhilfe und Kinder-Richtsätze: Caritas und Volkshilfe warnen vor Einschnitten. Was mit der Kindergrundsicherung passiert und was Familien 2026 erhalten. Topics: Nachrichten, Politik, Wirtschaft.

Der Entwurf der Sozialhilfe-Reform ist noch kein Gesetz, doch die Kritik ist bereits überall zu hören. Volkshilfe und Caritas warnen: Die versprochene Kindergrundsicherung aus dem Koalitionsprogramm ist offenbar vom Tisch. Die Kinder-Richtsätze könnten als Fleckerlteppich mit unterschiedlichen Beträgen bestehen bleiben, und Familien in sechs Bundesländern drohen sogar Verluste. Wie Die Presse berichtet, appellierte Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger an die Regierung, zu ihrem Wort zu stehen. Wir zeigen, was im Entwurf steht, wer kritisiert und wie die Sozialhilfe in Österreich heute berechnet wird. Und was das konkret für Familien mit Kindern bedeutet.

Was im Reformentwurf der Sozialhilfe steht

Der Entwurf für das neue Sozialhilfegesetz stammt aus dem Sozialministerium von Korinna Schumann (SPÖ). Abgestimmt ist das Papier weder mit den Koalitionspartnern noch mit den Bundesländern. Die Debatte darum bestimmt trotzdem schon den ganzen politischen Herbst.

Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger kritisierte den Entwurf sofort und deutlich. Die Regierung hat sich im Regierungsprogramm zur Kindergrundsicherung und zum Ziel bekannt, Kinderarmut bis 2030 zu halbieren. Nach seiner Einschätzung verfehlt der jetzige Entwurf dieses Versprechen „spektakulär“. Irritiert zeigt er sich auch, dass die in Auftrag gegebene Umsetzungsstudie offenbar nicht als Grundlage für die Reform der Kinderrichtsätze dient.

Laut Volkshilfe-Rechnung könnten die Leistungen in Vorarlberg, Salzburg, Burgenland, Kärnten, Tirol und Wien am weitesten sinken. In diesen Ländern sind die Familiensätze ohnehin traditionell niedriger. Was seit Jänner bereits gilt, haben wir im Überblick zur Mindestsicherung 2026 zusammengefasst.

Warum Caritas und Volkshilfe warnen

Die Caritas reagiert „mit großer Sorge“ und nennt konkrete Risiken. Die angekündigte Vereinheitlichung wird nicht erreicht. Zwar sind bundesweite Mindeststandards für Kinder vorgesehen, doch deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern bleiben bestehen.

Die Kritiker nennen drei zentrale Gefahren. Erstens zu niedrige Kinder-Richtsätze. Zweitens „drastische Kürzungen“ für arbeitsfähige Bezieher. Drittens verpflichtende Sachleistungen statt Bargeld.

Die Sozialhilfe ist das letzte Netz, das halten muss, wenn alles andere versagt. Kinder haben unabhängig davon, in welchem Bundesland sie leben, dieselben Bedürfnisse. Deshalb brauchen wir nicht nur eine gemeinsame Untergrenze, sondern armutsfeste Leistungen für alle Kinder.

— Nora Tödtling-Musenbichler, Präsidentin der Caritas Österreich

Ein weiterer Punkt ist das Wohnen. Schon heute reiche die Sozialhilfe vielerorts nicht für echte Miet- und Energiekosten, so die Caritas. Der Entwurf berücksichtige die Wohnkosten zu wenig. Positiv bleibt anzumerken: Die Vermögensfreibeträge steigen, und Menschen mit Behinderung müssen nicht mehr zuerst ihre Eltern auf Unterhalt verklagen.

Sozialhilfe und Kinder-Richtsätze – Beratung einer Familie in der Wiener Sozialberatung

Wie Koalition und Bundesländer reagieren

Die Regierungsparteien halten vorerst Abstand. Integrations- und Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) sagte im Ö1-Mittagsjournal, man schaue sich den Entwurf „sehr, sehr genau“ an. Ihre Position ist bekannt: Sozialhilfe muss unmissverständlich als allerletztes Sicherheitsnetz gelten.

Die NEOS argumentieren anders. Sozialsprecher Johannes Gasser will, dass Geld für Kinder „wirklich bei den Kindern ankommt“ – am besten in Form von Sachleistungen. Seine Fraktion rechnet so: Jedes Kind ist gleich viel wert, aber nicht jedes Kind kostet gleich viel. Gestaffelte Kindersätze seien daher nachvollziehbar.

Die Bundesländer bleiben skeptisch – auch innerhalb der Koalition. Landeshauptleutekonferenz-Vorsitzender Markus Wallner (ÖVP, Vorarlberg) räumte ein: „Wir sind da nicht am Ziel angekommen.“ Die finanziellen Auswirkungen werden derzeit erst geprüft. Grüner Sozialsprecher Markus Koza nannte den Plan ein „stillschweigendes Begräbnis“ der Kindergrundsicherung und erinnerte daran, dass Bezieher auch Hilfe bei Schulden, Wohnung und Krankheit brauchen. Wie harte Einsparungen aussehen, zeigt unser Bericht zu den Sozialhilfe-Kürzungen in Wien.

Wie die Sozialhilfe berechnet wird und wer sie bekommt

Die Sozialhilfe ist die letzte Geldleistung für Menschen, deren Einkommen und Vermögen unter den festgelegten Grenzen liegen. Anspruch haben Personen mit legalem Aufenthaltsstatus und Hauptwohnsitz im jeweiligen Bundesland. Der Antrag wird beim Sozialamt des Bundeslandes gestellt; gerechnet wird nach Familiengröße, Einkommen und Wohnkosten.

Die Berechnung läuft in zwei Schritten. Zuerst bestimmt das Amt den Bedarf des Haushalts nach den Basisrichtsätzen. Dann werden Einkommen abgezogen und die Wohnkosten-Zuschläge hinzugerechnet. Laut Sozialministerium liegt der Höchstbetrag 2026 bei 1.229,89 Euro für Alleinlebende und 1.721,85 Euro für Paare.

ParameterHöchstbetrag 2026
Alleinlebende, Alleinerziehende1.229,89 €
Paare1.721,85 €
Wohnkosten-Zuschlagbis +30% (bis 1.599 €)
Garantierter Mindestbetrag246 €

Bei den Kindersätzen wird es kompliziert. Wie ORF meldet, hat der Verfassungsgerichtshof die degressiven Kinderhöchstsätze aufgehoben – seitdem legen die Länder die Beträge selbst fest. Genau dieser Fleckerlteppich löst den jetzigen Streit aus. Ihre Situation lässt sich mit unserem Mindestsicherung-Rechner abschätzen; die Grundregeln stehen im Guide zur Sozialhilfe in Österreich.

Sozialhilfe und Kinder-Richtsätze – Familienbudget, Rechnungen und Taschenrechner am Küchentisch

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Kindergrundsicherung und wo steht sie heute?

Es ist das von der Koalition versprochene Basisangebot für Kinder in Sozialhilfe-Familien. Im Regierungsprogramm ist sie mit dem Ziel verknüpft, Kinderarmut bis 2030 zu halbieren. Laut Volkshilfe ist diese Zusage im jetzigen Entwurf faktisch verschwunden. Eine finale Entscheidung gibt es noch nicht.

Wie viel erhält eine Familie mit Kindern derzeit?

Für Alleinerziehende liegt der Höchstbetrag 2026 bei 1.229,89 Euro monatlich plus bis zu 30 Prozent Wohnkosten-Zuschlag. Die Zusätze pro Kind legt jedes Bundesland seit dem Verfassungsgerichtshof-Urteil selbst fest. Zwei Familien mit gleichem Einkommen können daher in Nachbarländern unterschiedliche Summen erhalten.

Bedeutet die Reform, dass Kinderleistungen gekürzt werden?

Entschieden ist nichts. Es gibt nur einen nicht abgestimmten Entwurf, den ÖVP, NEOS und Länder gerade prüfen. Die Caritas warnt genau vor dem Risiko niedriger Kinder-Richtsätze und Sachleistungen statt Bargeld. Jetzt folgen die Koalitionsverhandlungen.

Was ist der Unterschied zwischen Sozialhilfe und Kindergeld?

Kindergeld erhalten alle Familien in Österreich unabhängig vom Einkommen – es ist eine Universalleistung. Sozialhilfe ist bedarfsabhängig und wird nur bei echter Not gezahlt. Die Sozialhilfe-Reform rührt das Kindergeld nicht; Details finden Sie in unserem Kindergeld-Guide.

Was nun mit der Sozialhilfe-Reform passiert

Das Gesetz ist noch nicht beschlossen. ÖVP und NEOS prüfen den Entwurf, die Länder rechnen die finanziellen Folgen durch, und die Opposition fordert die Kindergrundsicherung zurück in den Text. Nach dem Regierungsplan soll das neue System 2027 starten – bis dahin gelten die heutigen Regeln.

Was Sie jetzt tun können:

  • prüfen Sie Ihre Ansprüche in Ihrem Bundesland – Richtsätze und Sanktionen unterscheiden sich, Startpunkt ist unser Guide zur Sozialhilfe;
  • rechnen Sie Ihr Familienbudget mit dem Mindestsicherung-Rechner durch;
  • denken Sie daran: Kindergeld und Familienbeihilfe sind von dieser Reform unabhängig;
  • bleiben Sie dran – wir analysieren den Entwurf weiter, sobald verhandelt wird.

Die Kinder-Richtsätze in der Sozialhilfe sind zum wichtigsten Glaubwürdigkeitstest der Koalition geworden. Will die Regierung das Ziel zur Kinderarmut bis 2030 erreichen, müssen die Sätze mehr als vereinheitlicht werden – sie müssen steigen. Damit Sie den nächsten Schritt der Reform nicht verpassen, abonnieren Sie unseren Newsletter – kurz, praktisch und ohne Panikmache.

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