Werden 40-Grad-Sommer in Österreich häufiger? Was Experten sagen Werden 40-Grad-Sommer in Österreich häufiger? Rekordhitze von 41,2 Grad, 395 Hitzetote im Juni und die Prognosen der GeoSphere Austria — was die Klimaexperten zur Zukunft sagen. Topics: Nachrichten, Freizeit & Kultur.
Der Sommer 2026 hat in Österreich sämtliche Temperaturrekorde gebrochen: Anfang August überschritt das Thermometer erstmals in der Geschichte des Landes die Marke von 41 Grad. Die Hitzewellen begannen schon im Juni und halten bis heute an, während die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) schätzt, dass allein im Juni 395 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben sind. Die extremen Bedingungen haben Schulen und Verkehr gestört, die Dürre trifft Landwirtschaft und Donau-Schifffahrt. The Local hat einen Experten des Wetterdienstes GeoSphere Austria gefragt, was da los ist und ob 40-Grad-Sommer in Österreich häufiger werden. In diesem Artikel: die Antworten der Klimaforscher, Prognosen bis 2050 und praktische Tipps, wie man die extreme Hitze übersteht.
Rekorde im August 2026: 41,2 Grad in Bad Deutsch-Altenburg
In der ersten Augustwoche hat Österreich seinen nationalen Hitzerekord zweimal an zwei Tagen gebrochen. Am 5. August 2026 registrierte eine Messstation in Bad Deutsch-Altenburg (Niederösterreich) 41,2 Grad — der höchste jemals in Österreich gemessene Wert. Einen Tag zuvor zeigte Wien-Stammersdorf 41,0 Grad und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2013.
Das bisherige absolute Maximum Österreichs betrug 40,5 Grad, aufgestellt am 8. August 2013 — ebenfalls in Bad Deutsch-Altenburg. Wie Reuters berichtet, wurde die 40-Grad-Marke früher nur ein paar Mal überschritten; jetzt hat das Land sie im Juni, Juli und August desselben Jahres geknackt.
Auch der Juni 2026 ging in die Geschichte ein: Am 28. Juni wurden in Wien 40,0 Grad gemessen — ein neuer Rekord für die Bundeshauptstadt — und am nächsten Tag erreichte Bad Deutsch-Altenburg 40,1 Grad, ein neuer österreichischer Rekord für einen Juni-Tag. Laut Weltorganisation für Meteorologie erlebte Westeuropa den heißesten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen.

Was die Klimaexperten der GeoSphere Austria sagen
Andreas Tröscher, Pressesprecher des Wetterdienstes GeoSphere Austria, sagte gegenüber The Local, dass die diesjährigen Hitzephasen alles andere als normal sind. Sie seien die Folge der anhaltenden, vom Menschen verursachten globalen Erwärmung.
Hitzewellen werden generell länger, heißer und treten früher im Jahr auf. Sehen Sie sich dieses Jahr an: Juni mit Temperaturen von 40 Grad.
— Andreas Tröscher, Pressesprecher der GeoSphere Austria
Tröscher wies darauf hin, dass auch natürliche Wetterlagen eine Rolle spielen: Das El-Niño-Phänomen hat einen Einfluss, auch wenn seine Wirkung auf Österreich traditionell geringer ist als in anderen Regionen Europas. Der Haupttreiber der extremen Hitze seien blockierende Hochdruckgebiete, die zunehmend träger und stabiler werden: Luftmassen verschieben sich langsamer und verweilen länger über dem Land.
Klimatologe Alexander Orlik, ebenfalls von der GeoSphere Austria, ergänzte eine alarmierende Detailangabe zur Dürre: In manchen Regionen im Osten des Landes war es seit 1885 nicht mehr so trocken.
395 Todesfälle im Juni: Hitze als Gesundheitsgefahr
Erstmals in der Geschichte hat die AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) eine Zwischenauswertung der Sterblichkeit bereits während der Sommersaison vorgelegt. Das Ergebnis: Im Juni 2026 starben 395 Menschen an den Folgen der Hitze — das sind 13 Todesfälle pro Tag, der höchste Juni-Wert seit Beginn der vergleichbaren Auswertungen im Jahr 2017.
Wie ORF berichtet, lag der bisherige Juni-Rekord bei 335 Todesfällen im Jahr 2019. Zum Vergleich: Im gesamten Sommer 2025 (Juni bis September) waren es 449 Opfer, im noch heißeren Sommer 2024 sogar 989. Die Zahl 395 entspricht fast der Zahl der Verkehrstoten Österreichs im gesamten Vorjahr: 397.
Gesundheitsministerin Korinna Schumann nannte die Zahlen «erschütternd» und betonte, Hitze sei «längst keine reine Frage des Wohlbefindens mehr», sondern «eine konkrete Gefahr für Gesundheit und Leben». Mehr darüber, wie Hitze die Gesundheit belastet und welche Rekorde im Juli fielen, lesen Sie in unserem Artikel über die extreme Hitze.

Werden 40-Grad-Sommer die Norm? Prognosen bis 2050
Nach den Klimaszenarien ÖKS15 wird die Durchschnittstemperatur in Österreich bis 2050 um weitere 1,3 bis 1,4 Grad steigen — und dieser Anstieg ist nicht mehr zu verhindern. Bis zum Ende des Jahrhunderts würde die Erwärmung unter einem ambitionierten Klimaschutzszenario (RCP4.5) +2,3 Grad und unter einem «Business-as-usual»-Szenario (RCP8.5) +4,0 Grad erreichen, wie die offiziellen Klimaszenarien von Klimawandelanpassung zeigen.
Die Zahl der Hitzetage (Tage mit Temperaturen über 30 Grad) hat in Österreich bereits stark zugenommen: In Wien gab es 1961–1990 durchschnittlich 9,6 solcher Tage pro Jahr, 1981–2010 bereits 15,2. Die Zahl der Tropennächte (Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt) stieg in der Hauptstadt von 1–2 auf durchschnittlich 6 pro Jahr; im Sommer 2015 wurden 23 gezählt.
Europa ist der am schnellsten erwärmende Kontinent der Welt: Laut Copernicus steigen die Temperaturen hier seit den 1980er-Jahren doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Meteorologen von Ubimet erwarten, dass 40 Grad bis 2050 in Südeuropa Routine werden und die 50-Grad-Marke im Mittelmeerraum erstmals fallen könnte. Für Österreich ist nicht die Frage, ob 40-Grad-Sommer häufiger werden, sondern wie oft sie sich wiederholen.
Dürre und Wasser: die andere Seite der Hitze
Hitze geht Hand in Hand mit Rekorddürre. Von 1. Jänner bis 30. Juni 2026 fielen in Österreich 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel; in manchen östlichen Regionen kam nur die Hälfte der normalen Regenmenge an. Die Donau ist so stark gesunken, dass Sandbänke freiliegen, und das Niedrigwasser beeinträchtigt die Schifffahrt nicht nur in Österreich, sondern auch in Ungarn, wo das Kernkraftwerk Paks wegen fehlenden Kühlwassers nur mit 10 Prozent Leistung fährt.
Die Dürre trifft die Landwirtschaft hart: Die europäische Getreideernte wird als schlechteste seit Jahrzehnten erwartet, in Österreich leiden Mais und Weinberge. Wegen der Trockenheit gab es im Land auch Einschränkungen für offenes Feuer und Grillen.

Klimaanlagen: Hilft die Technik?
Vielen Lesern von The Local ist aufgefallen, wie wenige Klimaanlagen es in Österreich gibt — im Gegensatz zu den USA oder Brasilien, wo Büros, Fitnessstudios und Schulen klimatisiert sind. Tröscher hält Klimaanlagen nur für einen Teil der Lösung:
Klimaanlagen können die Hitzebelastung nur in spezifischen Einzelfällen lindern und verbrauchen darüber hinaus sehr viel Strom, dessen Erzeugung wiederum die Umwelt belastet — es sei denn, er stammt aus Windkraft oder Solarenergie.
— Andreas Tröscher, Pressesprecher der GeoSphere Austria
Statt Klimaanlagen massenhaft zu installieren, empfiehlt der Experte Klimaschutzmaßnahmen: Begrünung der Städte, Verhinderung weiterer Bodenversiegelung und einen sorgsamen Umgang mit dem Grundwasser in Trockenperioden. Wien betreibt bereits das Programm «Cooling Places» — eine Karte öffentlicher klimatisierter Orte wie Bibliotheken, Museen und Einkaufszentren. Wie die Bundeshauptstadt die Belastung ihrer Wasserversorgung bewältigt, erklären wir in unserem Artikel zum Wasserverbrauch in Wien.
Prognose für die kommenden Tage und Tipps gegen die Hitze
Die Meteorologen versprechen keine schnelle Abkühlung: Zu Wochenbeginn werden bis zu 34 Grad in Graz und Linz und 31 Grad in Wien erwartet, dazu Gewitter. Die Experten mahnen zur Vorsicht — extreme Hitze bedeutet eine enorme körperliche Belastung für ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch für junge, gesunde Menschen sind mehrere Tage über 30 Grad ungesund.
Die Grundempfehlungen der GeoSphere Austria: im Schwimmbad abkühlen, viel trinken und Aktivitäten im Freien nach Möglichkeit vermeiden. In Österreich gibt es ein kostenloses Hitzetelefon: 0800 880 800. Wer den Sommer in der Stadt verbringt, findet auch in unserem Ratgeber zu den Hundstagen — den heißesten Tagen des Sommers in der österreichischen Tradition — nützliche Informationen.
Häufig gestellte Fragen
Werden 40-Grad-Sommer in Österreich häufiger? Ja. Nach den ÖKS15-Szenarien steigt die Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um weitere 1,3 bis 4 Grad, und die Zahl der Tage über 30 Grad hat sich in Wien in den letzten 50 Jahren bereits verdoppelt. Die Experten der GeoSphere Austria erwarten längere, heißere und früher beginnende Hitzewellen.
Welcher Temperaturrekord wurde im Sommer 2026 in Österreich gemessen? Am 5. August 2026 wurden in Bad Deutsch-Altenburg 41,2 Grad gemessen — der höchste jemals in Österreich verzeichnete Wert. Der bisherige Rekord (40,5 Grad) stammte aus dem Jahr 2013.
Wie viele Menschen sind 2026 in Österreich an der Hitze gestorben? Allein im Juni 2026 starben laut AGES 395 Menschen an den Folgen der Hitze — der höchste Juni-Wert seit 2017.
Lösen Klimaanlagen das Hitze-Problem in Österreich? Experten sagen: Klimaanlagen helfen nur lokal und verbrauchen viel Strom. Langfristige Lösungen sind Begrünung, Schutz des Bodens vor Versiegelung und ein sorgsamer Umgang mit dem Wasser.
Wie es weitergeht
Der Rekordsommer 2026 hat gezeigt: 40-Grad-Sommer in Österreich sind keine Anomalie mehr, sondern Teil der neuen Klima-Realität. Verfolgen Sie unsere Updates zu Wetter und Leben in Österreich — abonnieren Sie unseren Newsletter, damit Sie keine wichtigen Nachrichten und praktischen Ratgeber verpassen.
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