Goldener Pass: Das Geschäft mit Staatsbürgerschaften – und was in Österreich gilt
Goldener Pass: Das Geschäft mit Staatsbürgerschaften – und was in Österreich gilt Goldener Pass: Reiche kaufen Staatsbürgerschaften ab 120.000 Dollar. Wie Kleinstaaten daran verdienen, warum die EU Malta stoppte – und was in Österreich gilt. Topics: Nachrichten, Staatsbürgerschaft, Wirtschaft.
Der österreichische Pass erlaubt visumfreie Einreise in 185 Länder und gilt zu Recht als einer der stärksten der Welt. Genau deshalb ist er zum Statussymbol geworden: Vermögende sammeln Portfolios aus Staatsbürgerschaften fast wie Anlageportfolios. Schätzungen der Branche beziffern den Weltmarkt der Investitionsmigration im Jahr 2025 auf mehr als 20 Milliarden Dollar. Karibikstaaten verkaufen Pässe für 120.000 bis 400.000 Dollar, Kleinstaaten veranschlagen diese Einnahmen in ihren Budgets, und die EU stoppt die aggressivsten Modelle. Österreich spielt dieses Spiel nicht: Ein offizielles „Pass gegen Investitionen“-Programm gibt es nicht, und seltenen Investoren wird die Staatsbürgerschaft nur für besondere Verdienste verliehen – grober Einstieg: 3 Millionen Euro echter Wertschöpfung. Im Folgenden: die Preise, der Fall St. Kitts und Nevis, das EuGH-Urteil zu Malta und die legalen Wege zum österreichischen Pass.
Was ein zweiter Pass kostet
Die Preisspanne ist riesig: Ein Goldenes Visum (Aufenthaltstitel gegen Investitionen) kostet in Lettland ab 50.000 Euro, Residenz auf den Bahamas oder den Cayman Islands ab einer Million Dollar. Eine Staatsbürgerschaft auf Kaufen ist teurer: Der Pazifikstaat Nauru verkauft seinen Pass bis Jahresende für 95.000 Dollar, danach steigt der Preis auf 120.000 Dollar. Grenada sowie Antigua und Barbuda verlangen 200.000 Dollar oder mehr, die Türkei mindestens 400.000 Dollar in Immobilien. Wie Die Presse berichtet, fließt das Geld entweder in zweckgebundene Staatsfonds oder in Immobilien und heimische Unternehmen.
| Land | Was verkauft wird | Preis ab |
|---|---|---|
| Lettland | Goldenes Visum (Aufenthalt) | €50.000 |
| Nauru | Staatsbürgerschaft | $95.000 → $120.000 |
| Grenada, Antigua und Barbuda | Staatsbürgerschaft | $200.000 |
| Türkei | Staatsbürgerschaft | $400.000 (Immobilien) |
| Bahamas, Cayman Islands | Residenz | $1.000.000 |
St. Kitts und Nevis: Das Land, das vom Verkauf von Pässen lebt
St. Kitts und Nevis startete 1984 das weltweit erste Programm für Staatsbürgerschaften gegen Investitionen. Die Dimension beeindruckt: Laut EU-Kommission stellte der Inselstaat allein zwischen 2015 und 2025 mehr als 50.000 Pässe an ausländische Investoren aus – etwa so viele, wie er Einwohner hat. Für Kleinstaaten ist das keine Nebensache, sondern eine tragende Branche: Laut IWF machten die Einnahmen 2022 26 Prozent des BIP von St. Kitts und Nevis aus. Bis 2025 sanken sie auf 5,3 Prozent des BIP – nachdem die Inseln 2023 die Preise erhöht, die Herkunftsprüfungen verschärft und russische sowie iranische Staatsbürger ausgeschlossen hatten. Nevis-Premier Mark Brantley sagt, die Branche „wird weiter existieren, sich aber qualitativ ändern“ – und mehr als 40 Prozent der Anträge werden inzwischen abgelehnt.
Warum Vermögende einen zweiten Pass wollen
Die Motive sind unterschiedlich: Manche optimieren Steuern, manche wollen ihre Söhne vor der Einziehung zum Militär schützen, wieder andere planen Ausbildung und den künftigen Wohnort der Familie. Die meisten Kunden von Henley & Partners wandern laut Europa-Chef Günther Dobrauz-Saldapenna gar nicht aus – sie bauen frühzeitig einen „Plan B und Plan C“ auf. Verfahren dauern Monate bis Jahre, deshalb lohnt es sich, Optionen früh zu kaufen statt im Moment der Krise. Die überraschendste Erkenntnis: Die größte Kundengruppe von Henley & Partners stammt nicht aus einem autoritären Staat, sondern aus den USA – und in Deutschland wächst die Nachfrage am schnellsten.

Warum die EU den Verkauf von Staatsbürgerschaften stoppte
Der Europäische Gerichtshof kippte 2025 das maltesische Golden-Pass-Programm: Die systematische Einbürgerung gegen vorab festgelegte Zahlungen sei eine unzulässige Kommerzialisierung der Staatsbürgerschaft. Brüssel geht auch gegen Goldene Visa vor: Laut Bericht der EU-Kommission können solche Modelle irreguläre Migration, Steuerhinterziehung und den Zugang potenziell gefährlicher Personen in den Schengenraum ermöglichen. Lehrstück Vanuatu: Nach der Geschichte um den Goldenen Pass des Influencers Andrew Tate hob die EU die Visafreiheit für dessen Bürger bereits 2024 auf. Die Ablehnungsquoten karibischer Programme bleiben niedrig – in Antigua und St. Lucia im einstelligen Prozentbereich – und genau das beunruhigt Brüssel.

Kann man die österreichische Staatsbürgerschaft kaufen?
Die direkte Antwort: Nein, ein offizielles Investitionsprogramm gibt es nicht. Bezeichnend: Branchenprimus Henley & Partners bietet nur zwei EU-Pässe an – den maltesischen und den österreichischen –, den österreichischen aber ausschließlich als „Pass für Verdienste“. Die Ausnahme ist die Einbürgerung wegen besonderer Verdienste (§ 10 Abs. 6 StbG – Staatsbürgerschaftsgesetz): 2025 erhielten auf diesem Weg 50 Personen die Staatsbürgerschaft, ihre Namen veröffentlicht das Bundeskanzleramt. Das sind vor allem Künstler, Sportler und Wissenschaftler – manchmal aber auch Investoren. Branchenkenner beziffern die Einstiegsschwelle auf mindestens 3 Millionen Euro – und zwar nur, wenn die Investition Jobs schafft oder den Export stärkt. Wichtig: Österreich verlangt in der Regel die Aufgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft – Details in unserem Leitfaden zur doppelten Staatsbürgerschaft.
Die Staatsbürgerschaft ist nicht käuflich. Wer Bürger Österreichs werden will, muss Teil der Gesellschaft werden, einen Beitrag leisten und unsere Regeln und Werte achten.
— Wolfgang Hattmannsdorfer, Bundesminister für Wirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Was kostet der günstigste Goldene Pass?
Nauru verkauft die Staatsbürgerschaft bis Jahresende für 95.000 Dollar, danach für 120.000 Dollar. Karibikprogramme starten bei 200.000 Dollar, die Türkei bei 400.000 Dollar in Immobilien. Die österreichische Staatsbürgerschaft ist gar nicht für einen Festpreis käuflich.
Kann man die Staatsbürgerschaft Österreichs durch Investitionen bekommen?
Ein eigenes Programm gibt es nicht. Es existiert nur der Weg über besondere Verdienste (§ 10 Abs. 6 StbG): 2025 brachte er 50 Personen den Pass. Ein Investor braucht einen echten Beitrag – grob 3 Millionen Euro oder mehr, mit Jobs und Exportwirkung.
Was gilt für die reguläre Einbürgerung in Österreich?
Der Standard: 10 Jahre rechtmäßiger Aufenthalt (in Sonderfällen 6 Jahre bei starker Integration), Deutsch auf Niveau B1 und ein Gesellschaftsexamen: Der Staatsbürgerschaftstest umfasst 33 Fragen, davon müssen 18 richtig beantwortet werden. Dazu kommen stabiles Einkommen und ein sauberer Leumund.
Was tun, wer den österreichischen Pass will
Der Weg zur österreichischen Staatsbürgerschaft führt über die klassische Einbürgerung – nicht über einen Kauf. Kurze Checkliste:
- kein Geld in „Pass-Kaufmodelle“ stecken – ein offizielles Programm gibt es nicht und wird es nach dem Malta-Urteil auch nicht geben;
- die Jahre zählen: 10 Jahre Aufenthalt, beginnend mit einem rechtmäßigen Aufenthaltstitel;
- Deutsch B1 und den Werte-Test frühzeitig vorbereiten;
- Einkommen, Versicherung und Leumund vor dem Antrag prüfen;
- auf die Ausnahme „besondere Verdienste“ nur bei wirklich großen Investitionen oder internationalem Ruhm setzen.
Der erste Schritt ist der richtige Aufenthaltstitel: Wir haben alle Arten von Aufenthaltstiteln in Österreich erklärt. Den kompletten Weg bis zum Pass beschreibt unser Leitfaden zur Staatsbürgerschaft. Wer solche Analysen regelmäßig erhalten möchte, abonniert unseren Newsletter – das Wichtigste zu Migration und Leben in Österreich, kompakt.
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