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Orlen kommt nach Österreich – roter Adler des polnischen Energiekonzerns über einer Turmöl-Tankstelle

Orlen kommt nach Österreich: Was der polnische Energieriese mit Turmöl vorhat

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Orlen kommt nach Österreich: Was der polnische Energieriese mit Turmöl vorhat Der polnische Energieriese Orlen tritt in Österreich unter eigenem Namen auf. Was das konkret für die 260 Turmöl-Tankstellen und die Spritpreise bedeutet. Topics: Nachrichten, Wirtschaft, Verkehr.

Der Name Orlen steht an tausenden Tankstellen in Polen, Tschechien oder Deutschland. In Österreich kennen ihn bisher nur Sportfans – etwa vom Linzer Halbmarathon oder von der Vierschanzentournee, deren Auftakt in der Orlen Arena Oberstdorf Allgäu fällt. Dabei ist der polnische Energieriese hier längst aktiv: Hinter der Discount-Marke Turmöl steckt seit Anfang 2024 genau dieser Konzern. Nun will Orlen auch hierzulande unter eigenem Namen wahrgenommen werden, wie Die Presse berichtet. Die mehr als 260 Turmöl-Tankstellen bleiben vorerst, wie sie sind. Entscheidend sind die Fragen dahinter: Wie eng ist der Konzern mit der polnischen Politik verzahnt? Und was bedeutet sein Auftritt für die Spritpreise? Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen zu Orlen in Österreich.

Warum Orlen in Österreich bislang unsichtbar blieb

Die Antwort beginnt mit einer Übernahme. Turmöl war die Tankstellen-Marke der oberösterreichischen Doppler-Gruppe aus Wels, zu der auch die Marken Turmgas, Turmstrom und Austrocard gehörten. Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit bp im Jahr 2021 stellte die Gruppe ihre eigenen Stationen auf Turmöl um. Im Dezember 2023 gab die Doppler-Gruppe dann den Verkauf des Netzes an den polnischen Konzern bekannt, wie Der Standard meldete.

Mit Beginn des Jahres 2024 war der Deal perfekt. Wie ORF Oberösterreich berichtete, gingen 267 Turmöl-Tankstellen der Doppler-Gruppe an Orlen über. In einer Konzern-Aussendung sprach Orlen von 100 Prozent an der Doppler Energie GmbH und einem Tankstellennetz, das damit auf fast 3.500 Tankstellen in sieben europäischen Ländern wuchs. Die Marke Turmöl blieb jedoch bestehen. Genau das erklärt, warum einer der umsatzstärksten Energiekonzerne Osteuropas hierzulande kaum jemand kennt.

Turmöl-Tankstelle in Österreich: Die Stationen bleiben vorerst unter der bekannten Marke

Was Orlen mit den mehr als 260 Turmöl-Tankstellen vorhat

Die Stationen firmieren vorerst weiterhin als Turmöl. Das bestätigte Jürgen Stichenwirth, der das Österreich-Geschäft des Konzerns leitet, im Gespräch mit der „Presse“. Eine Umbenennung des gesamten Netzes sei nicht geplant, einzelne Stationen unter neuem Namen schließt er aber nicht aus. Zuerst gehe es darum, die Marke Orlen in den Köpfen der Autofahrer zu verankern.

Dafür setzt der Konzern auf Sportmarketing und Kooperationen. Zugleich werden die Standorte weiterentwickelt: An rund 40 Turmöl-Stationen gibt es bereits Ladepunkte, bald soll das Ladenetzwerk Orlen Charge nach Österreich kommen. Zusätzlich sind weitere Angebote wie Shops, Paketboxen und Waschstraßen im Gespräch, wie kosmo.at berichtet. Ob alle Stationen irgendwann auf Orlen umgestellt werden, ist nicht entschieden.

Das ist auch eine Frage der Zeit: Laut Schätzungen dürften rund 600 von fast 2.700 Tankstellen in Österreich in den kommenden Jahren verschwinden. Wer elektrisch unterwegs ist, verbringt mehr Zeit an der Ladestation. Diese Zeit will Orlen für zusätzliche Umsätze nutzen – auch mit Ladesäulen außerhalb des eigenen Netzes, dem sogenannten Destination Charging.

Wenn wir als Marke in den Markt eintreten – und das werden wir tun –, müssen wir das behutsam machen.

— Jürgen Stichenwirth, Chef des Österreich-Geschäfts von Orlen

Ein Konzern, der mit jeder Regierung die Führung wechselt

Orlen ist kein normaler Konzern. Das Unternehmen ist an der Warschauer Börse notiert, knapp 50 Prozent der Anteile gehören dem polnischen Staat. Auf jeden Regierungswechsel folgte bislang auch ein Wechsel an der Spitze von Orlen, erklärt Bartłomiej Biga von der Universität Krakau gegenüber der „Presse“. Dieses Muster reicht bis in die frühen 2000er-Jahre zurück und gilt für linke wie rechte Regierungen. Der frühere Konzernchef Daniel Obajtek, der Orlen während der Regierungszeit der nationalkonservativen PiS vorstand, sitzt heute für die Partei im Europaparlament.

Bemerkenswert ist, wie stabil die Strategie trotz der personellen Drehs bleibt. Bis 2035 will Orlen zwischen 350 und 380 Milliarden Złoty (rund 79 bis 86 Milliarden Euro) investieren – in erneuerbare Energien, Energiespeicher, kleine modulare Atomreaktoren und Technologien zur CO₂-Abscheidung. Das klassische Öl- und Gasgeschäft bleibt wichtig und soll diese Investitionen großteils finanzieren. Im Sommer markierte die Aktie ein Allzeithoch.

Doch die Nähe zur Politik birgt auch Risiken. Gegen mehrere frühere Orlen-Manager wird derzeit ermittelt, weil sie die Treibstoffpreise vor der Parlamentswahl mutmaßlich künstlich niedrig gehalten und dem Konzern dadurch einen Milliardenschaden zugefügt haben sollen. Die damalige Führung bestreitet die Vorwürfe und verweist auf Wechselkurse und Großhandelspreise. Es gilt die Unschuldsvermutung. Experten warnen zudem davor, dass der Staat Orlen zum Instrument seiner Energiepolitik machen könnte.

Moderner Konzernsitz: Orlen ist politisch eng mit der polnischen Regierung verzahnt

Was die Orlen-Pläne für die Spritpreise bedeuten

Für Autofahrer ist die wichtigste Frage die nach dem Preis. Hier hält sich Orlen bedeckt: Weder eine Senkung der Spritpreise noch konkrete neue Tankangebote hat der Konzern in Aussicht gestellt. Gespräche über Preise gibt es derzeit schlicht nicht.

Deutlich kritischer äußerte sich Österreich-Chef Stichenwirth zur österreichischen Spritpreisbremse, der staatlichen Bremse für die Händler-Margen, die Anfang Oktober verschärft wurde – das Gesetz dafür hatte das Parlament zuvor beschlossen, wie in unserem Bericht zum Spritpreisbremse-Gesetz nachzulesen ist. Wenn der Staat in die Margen eingreife, sei das sehr bedenklich, sagte Stichenwirth. Zudem sei die Berechnung der täglichen Durchschnittspreise für 260 Tankstellen mit erheblichem Aufwand verbunden. Immerhin: Die österreichische Lösung sei ihm lieber als ein Preisdeckel wie etwa in Deutschland. Wie sich die dortige Deckelung auswirkt, haben wir im Artikel zur Spritpreisbremse in Deutschland beleuchtet. Die heimische Bremse entlastet Autofahrer um bis zu zwölf Cent pro Liter – Details dazu in unserem Überblick zu den sinkenden Spritpreisen.

Sein Blick auf die Autobahnpreise ist düster: Beim Liter Diesel könnte „irgendwann sogar ein Dreier vorne stehen“, sagt Stichenwirth mit Blick auf die seit dem Irankrieg gestiegenen Preise. Für Haushalte zählt jede Erhöhung doppelt. Unsere Analysen zu den Energiepreisen im Winter und zum Gaspreisschock in Österreich zeigen, wo Tanken und Heizen zuschlagen.

Was österreichische Autofahrer jetzt erwarten können

Die Markenoffensive von Orlen ändert den Alltag beim Tanken nicht über Nacht. Aber sie verschiebt Kräfte in einem Markt, der ohnehin unter Druck gerät. Das Wichtigste in Kürze:

  • Turmöl bleibt: Die mehr als 260 Stationen firmieren vorerst weiter unter der bekannten Marke.
  • Behutsamer Markenaufbau: Sportmarketing und Kooperationen statt schneller Umbenennung.
  • Neue Angebote: Orlen Charge bringt zusätzliche Ladesäulen, dazu kommen Shops, Paketboxen und Waschstraßen.
  • Keine Preissenkung: Der Konzern hat keine günstigeren Spritpreise zugesagt.
  • Politische Nähe: Orlen wechselt mit jeder polnischen Regierung die Führung – die Strategie blieb jedoch stabil.

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Häufig gestellte Fragen

Bleibt Turmöl als Marke bestehen? Ja. Eine Umbenennung des gesamten Netzes ist laut Österreich-Chef Jürgen Stichenwirth nicht geplant. Einzelne Stationen unter dem Namen Orlen schließt er jedoch nicht aus.

Wann gibt es echte Orlen-Tankstellen in Österreich? Einen Termin nennt der Konzern nicht. Der Auftritt unter der Konzernmarke soll behutsam beginnen – zuerst über Sportmarketing und Bekanntheit, dann möglicherweise mit einzelnen umgestalteten Stationen.

Senkt Orlen die Spritpreise in Österreich? Dazu gibt es keine Ankündigungen. Der Konzern hat weder Preissenkungen noch neue Tankangebote in Aussicht gestellt.

Was ist Orlen Charge? Das Ladenetzwerk des Konzerns, das nach Österreich kommen soll. Damit entstehen zusätzliche öffentliche Ladepunkte für E-Autos – an Tankstellen und künftig auch abseits des Netzes.

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