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Selbstbehalt beim Arztbesuch: Österreichische Gesundheitskasse ÖGK diskutiert Zuzahlungen

Krankenkasse überlegt Selbstbehalt beim Arztbesuch: ÖGK-Einsparungsideen sorgen für Kritik

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Krankenkasse überlegt Selbstbehalt beim Arztbesuch: ÖGK-Einsparungsideen sorgen für Kritik Die Krankenkasse ÖGK überlegt einen Selbstbehalt beim Arztbesuch und den Wegfall der Wahlarzt-Kostenerstattung. Wir erklären die Vorschläge, die Kritik und was sich 2026 bereits geändert hat. Topics: Nachrichten, Gesundheit, Wirtschaft.

Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) diskutiert erstmals öffentlich die Einführung eines Selbstbehalt beim Arztbesuch — also einer Zuzahlung der Patientinnen und Patienten bei jedem Kassenarztbesuch. Die Idee wurde am 1. Oktober 2026 bekannt, als die Grünen ein internes Strategiepapier der Arbeitgeberseite der Kasse veröffentlichten. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat den Plan bereits abgelehnt, doch das Dokument zeigt, wie ernst die Kasse nach Einsparungen sucht. Dieser Artikel erklärt, was die ÖGK vorschlägt, wen die Änderungen betreffen und was sich in der österreichischen Medizin 2026 bereits tatsächlich verändert hat.

Was die ÖGK-Krankenkasse vorschlägt

Im geleakten Dokument — dem Protokoll einer „Strategieklausur” der ÖGK-Fraktion auf Arbeitgeberseite — steht der Vorschlag einer „gestaffelten Kostenbeteiligung bei Arztbesuchen”. Konkret: Jeder Besuch beim Kassenarzt soll künftig zumindest teilweise kostenpflichtig werden. Der genannte Betrag ist noch offen, doch die Richtung ist klar: Bisher ist der Kassenarztbesuch kostenlos — Patientinnen und Patienten zeigen einfach die e-card (elektronische Versicherungskarte).

Der zweite zentrale Punkt ist die Streichung der Kostenerstattung für Wahlärztinnen und Wahlarztbesuche. Wer heute zum Wahlarzt geht, zahlt vor und bekommt anschließend von der ÖGK einen Teil zurück. Wenn der Vorschlag umgesetzt würde, entfiele diese Erstattung komplett: Der Privatarzt würde deutlich teurer, und die Patientin oder der Patient müsste alles selbst tragen. Wie heute.at berichtet, sollen die freigesetzten Mittel in attraktivere Kassenangebote fließen, um Ärztinnen und Ärzte ins Kassensystem zu holen.

Zusätzlich nennt das Papier eine „verbesserte Gewinnabschöpfung” der ÖGK bei Ärztezentren und Ambulatorien sowie die Streichung pauschaler Ausnahmen von der Ambulanzgebühr. Ventiliiert wird außerdem eine einkommensabhängige Gesundheitsausgabenobergrenze, die Rezeptgebühr und Arztkosten zusammenfasst. Fazit: Die Möglichkeit eines Selbstbehalt wird derzeit juristisch geprüft — eine Entscheidung steht noch aus.

Selbstbehalt beim Arztbesuch: e-card und Kostenerstattung der ÖGK

Welche weiteren Einsparungsideen diskutiert werden

Neben den Zuzahlungen beim Arztbesuch enthält das Arbeitgeberpapier auch den Punkt „Fairness-Beitrag”: höhere Sozialversicherungsbeiträge für Menschen, die freiwillig Teilzeit arbeiten. Der Vorschlag stieß auf scharfe Kritik — der grüne Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner wies darauf hin, dass Teilzeit oft mit der Betreuung von Kindern oder älteren Angehörigen zusammenhängt und der „Fairness-Beitrag” im Grunde eine Bestrafung dafür wäre.

Der Hintergrund der Spardebatten ist ernst. Wie Der Standard berichtet, hatte die BVAEB (Versicherung für Bundesbedienstete, Eisenbahner und Bergleute) bereits am 1. Juni 2026 den Behandlungsbeitrag (Patientenanteil an den Behandlungskosten) von 10 auf 20 Prozent angehoben — für diese Gruppe ist der Arztbesuch also bereits doppelt so teuer geworden. Seit Mai 2026 gelten bei der ÖGK strengere Regeln für die Kostenerstattung von Krankentransporten, und der Selbstbehalt bei unentbehrlichem Zahnersatz wurde von 25 auf 30 Prozent erhöht. Alle diese Maßnahmen sollen laut Kasse ab 2027 rund 34,4 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

Wer die Pläne kritisiert und warum

Gegen die Initiative haben sich praktisch alle Seiten ausgesprochen. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) erklärte klar: Kassenarztbesuche müssen kostenlos bleiben. Wie meinbezirk.at berichtet, sprechen sich auch der Gewerkschaftsbund ÖGB, der Seniorenbund (ÖSB), der Pensionistenverband PVÖ und die Oppositions-FPÖ dagegen aus.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim brachte die Haltung auf den Punkt: „Es muss die e-card zählen und nicht die Kreditkarte.” Wie 5min.at schreibt, sei Gesundheit ein Grundrecht und dürfe „keine Frage des Geldbörserls” sein. Vorarlberger SPÖ-Gesundheitssprecherin Manuela Auer warnte davor, dass die Streichung der Wahlarzt-Kostenerstattung die Zwei-Klassen-Medizin vertiefen würde: Wohlhabende könnten sich weiter Privatärzte leisten, während andere wochenlang warten oder auf Untersuchungen verzichten müssten.

Viele Menschen suchen eine Wahlärztin oder einen Wahlarzt nicht deshalb auf, weil sie sich bewusst für eine private Zusatzleistung entschieden haben, sondern weil sie zeitlang keinen Kassenarzttermin erhalten.

— Ralph Schallmeiner, Gesundheitssprecher der Grünen

Patienten im Wartezimmer einer österreichischen Klinik: Kritik an Zuzahlungen beim Arzt

Was sich in der österreichischen Medizin 2026 bereits geändert hat

Auch ohne neue Zuzahlungen zahlen Patientinnen und Patienten in Österreich 2026 bereits mehr. Neben dem Anstieg des Behandlungsbeitrags bei der BVAEB auf 20 Prozent sind weitere Kosten gestiegen. Die Ambulanzgebühr bleibt für die meisten Patientinnen und Patienten Pflicht. Bei rezeptpflichtigen Medikamenten (Rezeptgebühr) beträgt der Eigenanteil etwa 10 Prozent der Kosten, beim Zahnersatz liegt er inzwischen bei 30 Prozent.

Laut dem offiziellen Gesundheitsportal Gesundheit.gv.at übernimmt die Sozialversicherung die meisten Kassenarztbesuche, Krankenhausaufenthalte und rezeptpflichtigen Medikamente — allerdings mit bestimmten Selbstbehalten und Zuzahlungen. Die ÖGK versichert derzeit die große Mehrheit der Beschäftigten und ihrer Familien. Welche Kassen es in Österreich gibt und worin sie sich unterscheiden, erklärt unser Ratgeber zu Krankenkassen in Österreich.

Arzt erklärt Patientin Dokumente: So funktionieren Versicherung und Zuzahlungen in Österreich

Was das für Patientinnen und Patienten jetzt bedeutet

Das Wichtigste: Es gibt noch keine neuen Zuzahlungen. Das Strategiepapier ist eine interne Diskussion der Arbeitgeberseite der Kasse — kein Gesetzesentwurf. ÖGK-Obmann Peter McDonald bestätigte der APA, die Kasse prüfe „völlig neue Ansätze”, betonte aber: Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen, und die Vorschläge müssten mit den Sozialpartnern besprochen werden. Ministerin Schumann hat zwei Monate Zeit, auf die parlamentarische Anfrage der Grünen zu antworten.

Praktischer Tipp für Patientinnen und Patienten: Der Kassenarztbesuch ist derzeit kostenlos, und die e-card funktioniert wie bisher. Wer aktuell zum Wahlarzt geht und von der ÖGK eine Erstattung erhält, bekommt auch diese weiterhin. Sollte in den kommenden Jahren ein Selbstbehalt eingeführt werden, wäre der Kassenarzt nicht mehr „gratis” im gewohnten Sinn. Es lohnt sich, die Logik des österreichischen Versicherungssystems zu kennen — unser Artikel Zahnarzt: Was zahlt die Krankenkasse und der Überblick zu Krankengeld helfen, die Struktur zu verstehen.

Was als Nächstes passiert und was Patientinnen und Patienten tun können

Die Diskussion um Zuzahlungen beim Arztbesuch läuft vor dem Hintergrund des chronischen Defizits der Kasse. Befürworter sprechen von „keinen Denkverbote” (McDonald), Gegner davon, das Solidarprinzip auszuholen. Die öffentliche Meinung neigt derzeit dazu, den Plan abzulehnen, doch der Druck auf die Gesundheitsausgaben wächst weiter.

Checkliste für Patientinnen und Patienten:

  • Die Debatte beobachten — eine Entscheidung zum Selbstbehalt steht noch aus, Signale der Kassenseite sind aber bereits da
  • Eigene Kasse prüfen — bei der BVAEB ist der Behandlungsbeitrag bereits 20 Prozent
  • Belege sammeln für Medikamente und Behandlungen — Kosten lassen sich teilweise über die Arbeitnehmerveranlagung zurückholen
  • Wahlarzt-Erstattung prüfen — sie funktioniert derzeit noch, ihre Zukunft wird aber diskutiert
  • Newsletter abonnieren, um keine Änderungen im österreichischen Gesundheitssystem zu verpassen

Das österreichische Gesundheitssystem verändert sich langsam, aber stetig. Die Frage nach dem Selbstbehalt beim Arztbesuch ist für Patientinnen und Patienten besonders sensibel — und ihr Ausgang ist noch offen. Folgen Sie den Entwicklungen auf how2austria.com.

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