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Raiffeisen Lagerhaus in Niederösterreich — Stellenabbau mit mehr als 100 Jobs

Raiffeisen Lagerhaus: Stellenabbau in Niederösterreich — mehr als 100 Jobs weg

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Raiffeisen Lagerhaus: Stellenabbau in Niederösterreich — mehr als 100 Jobs weg Raiffeisen Lagerhaus baut in Niederösterreich mehr als 100 Stellen ab. Welche Standorte betroffen sind, was die GPA fordert und was Betroffene tun können. Topics: Nachrichten, Wirtschaft, Arbeitsmarkt.

Die genossenschaftlichen Lagerhäuser von Raiffeisen in Niederösterreich stehen vor einem massiven Personalabbau. Die Raiffeisen Lagerhaus GmbH hat die Belegschaft über die geplante Kündigung von mehr als 100 Mitarbeitern informiert. Vor allem „unrentable“ Standorte im Industrieviertel stehen zur Debatte. Die Gewerkschaft GPA spricht von einem herben Schlag und fordert einen Sozialplan — eine Betriebsvereinbarung mit Abfindungen und Umschulungsangeboten. Auch die Landwirtschaft gerät zusehends unter Druck: Erst einen Monat zuvor kündigte der Tiefkühlproduzent Ardo die Schließung seines Werks an. Im Folgenden lesen Sie, was über den Stellenabbau bekannt ist, wer betroffen ist und welche Schritte jetzt zählen. Dieser Beitrag ist für deutschsprachige Leserinnen und Leser in Österreich aufbereitet.

Was bei den Raiffeisen-Lagerhäusern passiert ist

An mehreren Standorten der Raiffeisen-Lagerhäuser in Niederösterreich wird ein Stellenabbau von mehr als 100 Jobs vorbereitet. Die Beschäftigten wurden Anfang Oktober 2026 über die geplanten Kündigungen informiert. Das ist eine der härtesten Arbeitsmarkt-Nachrichten für das ländliche Niederösterreich der letzten Monate.

Die Raiffeisen Lagerhaus GmbH betreibt ein Netz agrarischer Lagerhäuser in Niederösterreich — unter der Marke Lagerhaus, die im ländlichen Österreich allgegenwärtig ist. Die Standorte lagern Getreide, Futtermittel und Dünger, verkaufen Saatgut und Baumaterial an Landwirte und sind in Kleinstädten oft unter den wichtigsten Arbeitgebern. Wie Krone berichtet, trifft der Kahlschlag mehrere Standorte des Netzes zugleich.

Vorangig sind die „unrentablen“ Standorte im Industrieviertel, der Industrieregion südöstlich von Wien. Konkret sind die Standorte Pernitz und Aspang im Gespräch. Wie viele Standorte insgesamt schließen, nennt das Unternehmen nicht — der Umfang zeigt sich aber bereits an der Zahl der informierten Mitarbeiter.

Raiffeisen Lagerhaus mit Getreidesilos im ländlichen Niederösterreich

Wer den Job verliert und was das für die Gemeinden bedeutet

Betroffen sind mehr als 100 Personen — darunter viele langjährige Beschäftigte. Für sie geht es nicht um einen Jobwechsel, sondern um die berufliche und finanzielle Zukunft auf Jahre hinaus. In Kleinstädten wie Pernitz ist die Zahl offener Stellen immer knapp, und die Konkurrenz um jede Position ist hoch.

Die Lagerhäuser sind Teil der Nahversorgung. Ein lokales Lagerhaus zahlt nicht nur Löhne: Es kauft Getreide von Bauern, beliefert Höfe und Baustellen im Umkreis von etlichen Kilometern und hält den Alltag in der Region am Laufen. Schließt ein Standort, leidet die ganze Kette — das Korn muss weiter weg, und kleine Kunden verlieren den Lieferanten vor der Haustür.

Der Zeitpunkt ist ungünstig. Laut Statista liegt die Arbeitslosigkeit in Österreich auf erhöhtem Niveau, und in den letzten Jahren hat der Arbeitsmarkt bereits mehrere Kündigungswellen erlebt. Erst kürzlich hat Lieferando massenweise Stellen abgebaut — mit derselben Forderung der Gewerkschaft nach sozialer Absicherung.

Die Mitarbeiter brauchen jetzt keine weitere Ungewissheit, sondern Planbarkeit.

— Michael Pieber, Geschäftsführer der GPA Niederösterreich

Was die Gewerkschaft GPA fordert

Die GPA fordert von Raiffeisen einen umfassenden Sozialplan — mit Abfindungen, Unterstützung bei der neuen Jobsuche und Umschulung für die betroffenen Beschäftigten. Die Verhandlungen zwischen der Landesgeschäftsstelle GPA Niederösterreich und der Geschäftsführung laufen bereits. Das ist zu begrüßen, aber die Gewerkschaft wartet auf „rasch verbindliche Antworten seitens des Raiffeisen-Konzerns“: vage Zusagen garantieren juristisch nichts.

Pieber übt auch Kritik an der niederösterreichischen Landesregierung. „Von einer Kündigungswelle zur nächsten zu improvisieren, ist keine Arbeitsmarktpolitik“, sagt er. Die GPA fordert eine permanente Arbeitsstiftung, über die Menschen nach einem Jobverlust schnell Zugang zu Ausbildung und neuen beruflichen Chancen erhalten. Bisher gibt es solche Stiftungen in Niederösterreich nur fallweise.

Das Land muss endlich vorsorgen, statt weiter hinterherzulaufen.

— Michael Pieber, GPA Niederösterreich

Warum die Landwirtschaft unter Druck gerät

Die unmittelbare Ursache des Abbaus sind schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und deutlich gestiegene Kosten. Wie RLG-Sprecherin Susanne Werner erklärt, setzt das Unternehmen „eine umfassende wirtschaftliche und strukturelle Neuausrichtung“ um. Ziel sei es, das Unternehmen „langfristig wirtschaftlich stabil und leistungsfähig“ aufzustellen — damit seien „leider auch personelle Anpassungen“ verbunden.

Die Agrarkrise trifft zuerst die Bauern, dann die Vor- und Nachgelagerten. Im September 2026 kündigte der Tiefkühlgigant Ardo die Schließung seines Werks in Groß-Enzersdorf an: Wie Krone berichtet, fürchten Gemüsebauern der Region um ihre Existenz. Der Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Johannes Schmuckenschlager, betonte, dass die prekäre finanzielle Situation der Landwirtschaft „nun in den vor- und nachgelagerten Bereich Spuren hinterlässt“ — Lagerhäuser und Verarbeitung sind genau dieser Bereich.

Lagerarbeiter am Gabelstapler in einem österreichischen Agrarlager

Was Betroffene jetzt tun können

Wer von einer Kündigung betroffen ist, sollte in einer klaren Reihenfolge handeln. Erster Schritt: unverzügliche Anmeldung beim AMS (Arbeitsmarktservice), weil die Höhe des Arbeitslosengeldes von der unterbrechungsfreien Beschäftigungsdauer abhängt. Zweiter Schritt: die Bedingungen des Sozialplans prüfen, den die GPA verhandelt — Abfindungen und Unterstützung bei der Jobsuche wurden zugesagt, auch innerhalb des Raiffeisen-Verbunds und bei Partnerunternehmen.

Danach lohnt eine Umschulung: Das AMS finanziert Weiterbildungen in Mangelberufen. Finanzielles Rückgrat während der Suche sind Arbeitslosengeld und Mindestsicherung. Wenn das Einkommen für die Miete nicht mehr reicht, lesen Sie unseren Leitfaden zum Wohnen in Österreich ohne Job. Wer den Beruf ganz wechseln will, startet am besten mit unserem Ratgeber Arbeiten in Österreich. Übrigens belastet auch die Energiekrise die betroffenen Regionen — dazu lesen Sie unsere Analyse der Energiepreise im Winter.

Die Situation bei Raiffeisen ist noch nicht endgültig: Bis zum Abschluss der Sozialplan-Verhandlungen nennt niemand konkrete Beträge oder Termine. Genau deshalb fordert die Gewerkschaft „Planbarkeit“ — Kündigungen nach klarem Zeitplan mit definierten Abfindungen statt eines Telefonats eine Woche vor dem letzten Arbeitstag.

Beschäftigte lesen eine Kündigungsmeldung in einem niederösterreichischen Lager

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Stellen baut Raiffeisen Lagerhaus ab?

Mehr als 100 Stellen in Niederösterreich. Die genaue Zahl der Schließungen nennt das Unternehmen nicht — informiert wurden aber Beschäftigte an mehreren Standorten.

Welche Standorte sind betroffen?

Vorangig die „unrentablen“ Standorte im Industrieviertel — konkret Pernitz und Aspang. Betroffen sind ländliche und kleinstädtische Standorte, die für die Nahversorgung wichtig sind.

Was erhalten die gekündigten Mitarbeiter?

Raiffeisen verspricht Unterstützung bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen im Verbund und bei Partnerunternehmen. Die GPA verhandelt einen umfassenden Sozialplan mit Abfindungen, Fristen und Umschulungsprogramm — die Gespräche laufen bereits.

Warum werden die Lagerhäuser abgebaut?

Gründe sind die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und deutlich gestiegene Kosten. Die Agrarkrise zieht die vor- und nachgelagerten Bereiche mit: Erst schloss Ardo sein Werk in Groß-Enzersdorf.

Wie es für die Raiffeisen-Beschäftigten weitergeht

Der Wegfall von mehr als 100 Lagerjobs ist eine Belastungsprobe — nicht nur für die Belegschaft, sondern für das gesamte Modell der Nahversorgung in Niederösterreich. Die nächsten Wochen zeigen, wie die Sozialplan-Verhandlungen enden und ob das Land eine permanente Arbeitsstiftung bekommt.

Was Sie jetzt tun können:

  • Raiffeisen-Beschäftigte: sich in die GPA-Verhandlungen einbringen und eigene Ansprüche für den Sozialplan dokumentieren.
  • Alle mit Kündigungsrisiko: früh beim AMS anmelden und Umschulungsoptionen vorab prüfen.
  • Bauern und kleine Kunden: rechtzeitig Alternativen für Lagerung und Bezug planen.
  • Thema verfolgen — wir berichten weiter über den Arbeitsmarkt in Österreich.

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