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Bonus-Malus für ältere Arbeitnehmer: Wiener Straße vor modernem Bürogebäude mit Beschäftigten jeden Alters

Bonus-Malus für Ältere: Wer Mitarbeiter über 60 aussortiert, soll zahlen

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Bonus-Malus für Ältere: Wer Mitarbeiter über 60 aussortiert, soll zahlen Bonus-Malus für ältere Arbeitnehmer: AK und ÖGB wollen Betriebe ohne Beschäftigte über 60 bestrafen. Zielquoten, 15 Prozent des Jahreslohns, Start 2027. Topics: Nachrichten, Arbeitsmarkt, Wirtschaft.

In Österreich zeichnet sich eine Wende im Umgang mit älteren Beschäftigten ab. AK (Arbeiterkammer) und ÖGB (Österreichischer Gewerkschaftsbund) haben ein Bonus-Malus-Modell für Betriebe vorgelegt, die Mitarbeiter über 60 systematisch aussortieren. Das Argument ist deutlich: In mehr als jedem vierten Betrieb ab 20 Beschäftigten arbeitet kein einziger Mitarbeiter über 60 — parallel dazu fehlen Fachkräfte. Wer in diesem Alter den Job verliert, wartet oft jahrelang auf eine neue Stelle. Wir erklären, wie das vorgeschlagene System aus Prämien und Abgaben funktionieren soll, was regelbrechende Betriebe zahlen müssten und wann es startet.

Was die Zahlen zeigen: jeder vierte Betrieb beschäftigt niemanden über 60

Die Ausgangslage ist ernüchternd. Laut AK hat mehr als ein Viertel der Betriebe ab 20 Beschäftigten keine einzige Person über 60 im Unternehmen. Frauen trifft es noch härter: 61,6 Prozent der Betriebe beschäftigen keine Frau über dieses Alter, wie der ÖGB betont.

Wer in diesem Alter arbeitslos wird, fällt lange aus dem Arbeitsmarkt heraus. Personen zwischen 60 und 64 Jahren sind im Schnitt 451 Tage beim AMS (Arbeitsmarktservice) vorgemerkt — im Vergleich zu 182 Tagen bei Menschen im Haupterwerbsalter. Auch insgesamt wird es enger: Im Oktober waren 389.941 Personen arbeitslos oder in Schulung, die Gruppe der über 50-Jährigen wuchs um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, berichtet Der Standard.

Ältere Mitarbeiterin am Laptop in einem modernen österreichischen Betrieb

So soll das Bonus-Malus-System für ältere Arbeitnehmer funktionieren

Das Modell von AK und ÖGB gilt nur für Betriebe ab 20 Beschäftigten — Kleinbetriebe bleiben außen vor. Entscheidend ist der Anteil der 60- bis 64-Jährigen an der Belegschaft. Für 21 Branchen sind unterschiedliche Zielquoten vorgesehen, die schrittweise steigen: Auf einer Baustelle herrschen nun einmal andere Bedingungen als in einer Bank.

Die Logik greift in beide Richtungen. Betriebe, die ihre Branchenquote übertreffen, erhalten Förderungen aus einem Bonus-Topf. Wer zu wenige ältere Beschäftigte hat, leistet eine Ausgleichszahlung — 15 Prozent des durchschnittlichen Jahreslohns im Betrieb je fehlender Person über 60. Nach der Modellrechnung sind das im Schnitt rund 615 Euro pro Monat je fehlender Stelle.

Was ein Betrieb zahlen würde: das Hotel-Beispiel

Die AK rechnet konkret vor. Ein Hotel mit 50 Beschäftigten müsste bei der ersten Überprüfung 2028 mindestens zwei Mitarbeiter zwischen 60 und 64 beschäftigen. Hat es keine und beträgt der durchschnittliche Jahreslohn 20.500 Euro, wären 6.150 Euro pro Jahr fällig — rund 513 Euro im Monat.

Der Entwurf ist keineswegs eine Nischenidee. Nach der Modellrechnung des ÖGB fehlen in Österreich derzeit 36.087 Arbeitsplätze für ältere Beschäftigte. 8.909 Betriebe würden ihre Quote übertreffen und Bonuszahlungen erhalten, 9.760 Betriebe würden sie verfehlen und zahlen. Das rechnerische Malus-Aufkommen beträgt 266,4 Millionen Euro pro Jahr.

HR-Managerin analysiert Belegschaftsstatistiken in einem Wiener Büro

Das Geld soll je zur Hälfte verteilt werden. Die eine Hälfte fließt in den Bonus-Topf — für ergonomische Arbeitsplätze, Weiterbildung und altersgerechte Arbeitsbedingungen. Die andere Hälfte erhält das AMS für Beschäftigungsprojekte und die Wiedereingliederung älterer Arbeitsloser — je 133 Millionen Euro pro Modellhälfte.

Nicht die Menschen müssen sich an einen Arbeitsmarkt anpassen, der sie mit 55 oder 60 aussortiert — die Unternehmen müssen endlich Verantwortung übernehmen. Wer sich dieser Verantwortung entzieht, muss künftig auch einen Beitrag leisten.

— Wolfgang Katzian, ÖGB-Präsident

Zeitplan: wann das System startet und was zuerst kommt

Vorgesehen ist ein Start 2027. Die Betriebe bekommen ein Jahr Zeit: Die Zielquote für 2027 wird erstmals 2028 überprüft — und dann erstmals auch über Zahlungen entschieden. Danach folgen jährliche Kontrollen; 2031 muss die Quote für 2030 erreicht sein.

Für Beschäftigte bedeutet das: Erfahrene Mitarbeiter zu halten wird lohnender, sie zu verlieren wird teurer. Ältere Jobsuchende bekommen eine echte Chance auf Einstellung statt jahrelanger Warteschleife beim AMS. Wie das Pensionssystem selbst funktioniert, um das in dieser Debatte gerungen wird, erklären wir im Beitrag zum Pensionsmodell Österreich.

Warum die Debatte auch über Arbeitslosigkeit und Pensionen entschieden wird

AK und ÖGB beantworten damit zwei Probleme zugleich: den Fachkräftemangel auf der einen und die rasch wachsende Arbeitslosigkeit unter Über-50-Jährigen auf der anderen Seite. Eine Kündigung im Alter trifft die Betroffenen und das Sozialsystem gleichermaßen — jährlich fließen Hunderte Millionen Euro in Leistungen und ausgefallene Beiträge. Wie konkret Kündigungen ablaufen können, haben wir kürzlich am Beispiel der Massenkündigungen bei Raiffeisen gezeigt.

Auffällig: Eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters lehnen AK und ÖGB kategorisch ab — das faktische Pensionsantrittsalter steigt ohnehin. Ihre Position: Erst müssen Jobs für die entstehen, die bis 65 arbeiten wollen. Die Gewerkschaften erinnern die Regierung zudem an ihr Regierungsprogramm, das Anreize für ältere Beschäftigte verspricht. AK-Präsidentin Renate Anderl formuliert es noch knapper: Wer mit 60 keinen Job hat, hat ihn mit 67 auch nicht. Zum praktischen Umgang mit Jobverlust lesen Sie unseren Beitrag zur AMS-Rechenpanne.

Berater im Gespräch mit älterem Jobsuchenden im Employment-Service

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Bonus-Malus-System für ältere Arbeitnehmer? Ein von AK und ÖGB vorgeschlagenes Anreizsystem für Betriebe. Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten sollen den Anteil der 60- bis 64-Jährigen auf dem Niveau ihrer Branchenquote halten: drüber — Bonus, drunter — Zahlung.

Welche Betriebe müssten zahlen? Nur Betriebe ab 20 Beschäftigten, deren Anteil an 60- bis 64-jährigen Mitarbeitern unter der Branchenquote liegt. Der ÖGB zählt 9.760 solche Betriebe; österreichweit fehlen 36.087 Arbeitsplätze für Ältere.

Wie hoch wäre die Zahlung? 15 Prozent des durchschnittlichen Jahreslohns im Betrieb je fehlender Person über 60. Im Schnitt sind das rund 615 Euro pro Monat; für ein Hotel mit 50 Beschäftigten etwa 6.150 Euro pro Jahr.

Wann startet das System? Geplant ist der Start 2027, die erste Quotenkontrolle erfolgt 2028, danach jährlich. Bis dahin bleibt es ein Vorschlag: Die Regierung muss erst einen Gesetzentwurf vorlegen.

Was das für Beschäftigte über 55 bedeutet

Das Modell ist noch kein Gesetz, aber die Richtung der Debatte ist klar: Die Verantwortung für das Aussortieren Älterer soll zu den Arbeitgebern wandern. Was Sie jetzt tun können:

  • Wenn Sie 55+ sind und Ihren Job verlieren: Melden Sie sich sofort beim AMS — Arbeitslosigkeit dauert mit 60 im Schnitt 451 Tage.
  • Verfolgen Sie das Gesetzgebungsverfahren: Wird das Modell angenommen, behandeln Arbeitgeber ältere Mitarbeiter anders.
  • Sie wollen über die Pension hinaus arbeiten? Lesen Sie unsere Ratgeber zu Arbeiten in der Pension in Österreich und zum Zuverdienst in der Pension 2026.
  • Sie wollen verstehen, wie Ihre Pension berechnet wird? Beginnen Sie mit unserem Beitrag zum Pensionsmodell Österreich.

Der Bonus-Malus für Ältere ist die erste systemische Antwort auf eine Praxis, die Tausende erfahrene Beschäftigte wenige Jahre vor der Pension abseits stellt. Damit Sie nichts verpassen, wenn aus dem Vorschlag von AK und ÖGB ein Gesetz wird, abonnieren Sie unseren Newsletter.

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