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Pensionsantrittsalter in Österreich — Debatte über das Pensionsalter vor Wiener Skyline

Pensionsantrittsalter: Warum die Debatte in Österreich neu entflammt

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Pensionsantrittsalter: Warum die Debatte in Österreich neu entflammt Pensionsantrittsalter in Österreich: VIG-Chef Hartwig Löger will das Antrittsalter an die Lebenserwartung koppeln. Die Zahlen, seine Argumente und die Kritik. Topics: Nachrichten, Wirtschaft, Politik.

Das Pensionsantrittsalter rückt wieder ins Zentrum der österreichischen Politik. Hartwig Löger, Generaldirektor der Versicherungsgruppe VIG, fordert, das Antrittsalter flexibel an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Das Umlagesystem, sagt er, gehe sich in der jetzigen Form nicht mehr aus. Das Verhältnis von Zahlenden zu Beziehern ist in 20 Jahren von 3:1 auf 2:1 gefallen. Wir erklären, was Löger konkret verlangt, welche Zahlen er anführt, wer widerspricht — und was das für alle bedeutet, die noch Jahrzehnte bis zur Pension haben.

Wer Hartwig Löger ist und was er fordert

Hartwig Löger führt die Vienna Insurance Group, den größten Versicherer des Landes mit den Marken Wiener Städtische und Donau Versicherung. Im großen Interview mit der Krone rechnet er schonungslos vor: Österreichs Pensionssystem sei so nicht mehr finanzierbar. Seine Kernforderung lautet, das Pensionsantrittsalter solle der Lebenserwartung folgen — so wie es in vielen Ländern bereits üblich ist.

Eine konkrete Zahl nennt Löger bewusst nicht. Stattdessen will er so schnell wie möglich eine Formel definieren: Das Antrittsalter korrigiert sich danach automatisch mit der Statistik. Steigt die Lebenserwartung, steigt das Antrittsalter. Sinkt sie eines Tages wieder, sinkt auch das Antrittsalter.

Warum das System so nicht mehr finanzierbar ist

Die österreichischen Pensionen werden aus den laufenden Beiträgen bezahlt — eine eigene Ansparung gibt es nicht. Vor 20 Jahren kamen auf einen Pensionisten noch drei Erwerbstätige, heute nur mehr zwei, rechnet Löger vor. Die Menschen werden älter, und immer mehr Beschäftigte arbeiten in Teilzeit und zahlen daher weniger Beiträge. Die Tendenz sei fallend.

Den Ausgleich muss der Staat leisten. Der jährliche Bundeszuschuss wächst von Jahr zu Jahr — laut Löger geht es um bald ein Drittel des Budgets. Laut Statistik Austria liegt die Lebenserwartung in Österreich bereits über 81 Jahren bei Männern und 85 Jahren bei Frauen — sie steigt nach der Pandemie weiter. Je länger die Pensionszeit, desto teurer wird jeder Antritt mit fixem Alter.

Das Pensionskonto zeigt Anrechnungszeiten — und erzeugt laut Löger falsche Erwartungen

Pensionskonto und der größte Irrglaube

Löger räumt zudem mit einem weitverbreiteten Gedankenfehler auf. Viele Österreicherinnen und Österreicher glauben, sie sparen mit ihren Beiträgen für die eigene Pension an. Das Pensionskonto der Pensionsversicherungsanstalt verstärkt diesen Eindruck — es zeigt Anrechnungszeiten und eine Prognose. Tatsächlich sind die Beiträge ein Durchlaufposten: Sie fließen sofort an die heutigen Pensionisten weiter.

Niemand hat etwas eingezahlt, auf das er selbst einen Anspruch hat. Es wird nicht eingezahlt — in einem Umlageverfahren wird gezahlt.

— Hartwig Löger, Generaldirektor der Vienna Insurance Group

Das sei kein Plädoyer gegen das System, betont Löger: Es ist gut und gilt es zu stabilisieren. Doch das Finanzministerium muss jedes Jahr Milliarden dazulegen, damit die zugesagten Pensionen aufgehen. Ein ehrliches Gespräch darüber sei die Voraussetzung für jede Reform.

Was Löger für das Pensionsantrittsalter vorschlägt

Sein Modell: eine Formel, die das Antrittsalter an die Lebenserwartung koppelt — rasch wirksam und in beide Richtungen. Vorbilder existieren in Europa. Dänemark indexiert das Pensionsalter seit 2006 an die Lebenserwartung, 2025 beschloss das Parlament den Anstieg auf 70 Jahre für Jahrgänge ab 1970. In Schweden ist der Antritt flexibel, das System ruht auf starken zweiten und dritten Säulen — der betrieblichen Vorsorge und privaten Sparplänen. Löger möchte diese Säulen stärken, mit einer klaren Einschränkung: Ein staatliches Pensionssystem darf nie vollständig auf Kapitalmärkte gelegt werden — das Risiko sei zu groß.

Bestehende Pensionisten sind ausgenommen. Sie haben das Land aufgebaut und sich ihre Pension verdient — sie dürfen nicht beansprucht werden, sagt Löger. Es geht nur um jene, die in 10 bis 30 Jahren antreten. Für Schwerarbeiter braucht es eigene Lösungen: die Hacklerregelung soll erhalten und ausgebaut bleiben. Das Modell von Tirols Landeshauptmann Anton Mattle — Antritt frühestens mit 65 Jahren nach 45 Arbeitsjahren — hält er für „diskussionswürdig”: Ob jemand bis 30 studiert und dann 30 Jahre netto arbeitet oder mit 15 eine Lehre am Bau beginnt, mache einen riesigen Unterschied. Wir haben das Modell bereits im Detail behandelt — Mattle-Modell zusammengefasst.

Schwerarbeiter brauchen eigene Übergangsregeln, warnt der VIG-Chef

Warum die Debatte um das Pensionsantrittsalter neu entflammt

Es ist bereits die dritte Runde binnen eines Sommers. Im Juli berichtete die Krone, die ÖVP wolle Akademiker länger arbeiten lassen — wer bis 30 studiert, solle auch später antreten. Parallel lief die Mattle-Debatte, die wir in unserem Artikel Alle sollen länger arbeiten beleuchtet haben. Der Vorstoß des Versicherungschefs gibt dem Druck nun Gewicht: Die VIG verwaltet die Ersparnisse von Millionen Österreichern und kennt die Zahlen aus dem Innenleben des Systems.

Dagegen steht die gewohnte Front. Die Gewerkschaften blockieren jede Anhebung — nicht jeder ist physisch in der Lage, bis 67 oder 70 zu arbeiten. Arbeitgeber stellen Menschen 55+ ohnehin zurückhaltend ein, wie wir im Artikel zum Bonus-Malus für ältere Arbeitnehmer zeigen. Und Soziologen warnen: Der Abstand in der Lebenserwartung zwischen Büro- und Arbeiterberufen beträgt Jahre — eine Einheitsformel trifft die Schwächsten am härtesten.

Häufig gestellte Fragen zum Pensionsantrittsalter

Wie hoch ist das Pensionsantrittsalter in Österreich derzeit? Männer treten mit 65 Jahren in die Regelungspension. Das Frauenantrittsalter steigt stufenweise: Es liegt 2026 bei 63,5 Jahren und erreicht 2029 die 65 Jahre. Das tatsächliche Durchschnittsantrittsalter liegt bei rund 60 Jahren — viele gehen früher, über die Hacklerregelung oder lange Beitragszeiten.

Werden bestehende Pensionisten von einer Reform betroffen sein? Nein. Löger schließt Änderungen für heutige Pensionisten ausdrücklich aus. Alle Szenarien betreffen ausschließlich künftige Generationen.

Was ist die Hacklerregelung? Die Hacklerregelung ermöglicht einen vorzeitigen Pensionsantritt für Menschen, die früh angefangen haben und sehr lange Beiträge geleistet haben. Löger will solche Wege für Schwerarbeiter behalten und ausbauen — sonst wäre eine Lebenserwartungsformel unfair.

Was können künftige Pensionisten jetzt tun? Zuerst das eigene Pensionskonto prüfen und die Beitragsjahre zählen. Dann die private Säule aufbauen: Wir haben die Pensionsmodelle ab 2027 und die Regeln für Zuverdienst in der Pension ausführlich erklärt. Je früher Sie starten, desto weniger hängt später von einer noch nicht beschlossenen Formel ab.

Was jetzt kommt — und was künftige Pensionisten tun können

Konkrete Änderungen sind in den nächsten Monaten unwahrscheinlich: Pensionsreformen gehen in Österreich zäh, und vor der Wahl ist Debattieren leichter als Entscheiden. Die Richtung aber steht — das Pensionsantrittsalter in Österreich wird steigen, nur Tempo und Ausgleich für Schwerarbeiter sind offen. Ihre Checkliste: Pensionskonto prüfen, Prognose auf pv.at ansehen, fehlende Beitragsjahre zählen und privat vorsorgen. Abonnieren Sie unseren Newsletter — über die nächste Runde der Pensionsreform berichten wir sofort.

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