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Verbrenner-Verbot und CO₂-Ziele der EU: Verkehr auf einer Wiener Straße

Verbrenner-Verbot durch die Hintertür: Was das für Autofahrer bedeutet

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Verbrenner-Verbot durch die Hintertür: Was das für Autofahrer bedeutet Das Verbrenner-Verbot kommt über Zahlenspiele zurück: Die Mitte-Parteien planen minus 95 Prozent CO₂ bis 2035. Was das für Autofahrer in Österreich bedeutet. Topics: Nachrichten, Verkehr, Politik.

Noch im Dezember schien das Verbrenner-Verbot in der EU auf Jahre verschoben: Die EU-Kommission lockerte das Ziel für 2035 von 100 auf 90 Prozent, und die ÖVP feierte das „Ende des Verbrenner-Verbots”. Zehn Monate später ist alles anders. Die drei Mitte-Fraktionen des EU-Parlaments — Konservative, Sozialdemokraten und Liberale — haben neue Zahlenziele ausgehandelt: minus 95 Prozent CO₂ für neue Pkw, mit Bonus für europäischen grünen Stahl faktisch bis zu 87,5 Prozent. Auf dem Papier Flexibilität, in der Praxis wieder ein fast vollständiges Verbot: Die Nische für neue Benzin- und Dieselmodelle bleibt nach 2035 winzig. Drei Ausschüsse haben bereits zugestimmt, das Plenum entscheidet im Dezember. Wir erklären, wie die Prozente gerechnet wurden, wer dagegen ist — und was das für Autofahrer in Österreich bedeutet.

Was die Ausschüsse beschlossen haben

Innerhalb von zwei Wochen haben drei zentrale Ausschüsse des EU-Parlaments den CO₂-Kompromiss für neue Autos gebilligt. Am 22. Oktober stimmten der Industrieausschuss (49 zu 27) und der Verkehrsausschuss (27 zu 18) dafür, am 4. November auch der Umweltausschuss: 48 Ja-Stimmen, 30 Nein-Stimmen, zwei Enthaltungen. Wie Der Standard berichtet, stimmten die Abgeordneten auf Basis des Vorschlags der EU-Kommission — mit den Zahlen der Absprache der drei größten Fraktionen.

Zur Einordnung: Das geltende Gesetz von 2023 verlangt ab 2035 eine 100-prozentige CO₂-Reduktion neuer Pkw gegenüber 2021. Das war das berühmte faktische Verbot: verkauft werden dürften nur Elektro- und Wasserstoffautos. Im Dezember 2025 schlug die Kommission unter Druck der Autoindustrie und Deutschlands eine Lockerung auf 90 Prozent vor — gegen vollständige Kompensation des Rests durch grünen Stahl und synthetische Kraftstoffe. Jetzt schreibt das Parlament diese Zahlen neu.

CO₂-Ziele der EU für Autos: Streit um das Verbrenner-Verbot im Europäischen Parlament

Zahlenspiele: 95, 87,5 und was die Prozente wirklich bedeuten

Formell ist der Kompromiss kein Verbot, sondern ein Flottengrenzwert für Hersteller. Aber die Arithmetik entscheidet: Bei einer Pflicht von minus 95 Prozent darf ein Konzern nur wenige Prozent seiner Flotte als Verbrenner verkaufen. Der Kredit für grünen europäischen Stahl (bis zu 7,5 Prozentpunkte) senkt die Schwelle maximal auf 87,5 Prozent. Für leichte Transporter fällt das Ziel 2030 von geltenden 50 auf 35 Prozent, für 2035 von 100 auf 80 Prozent — ebenfalls mit Stahlkredit.

RegelnCO₂-Ziel für Pkw bis 2035Praxis für Autofahrer
Geltendes Recht (2023)−100 % gegenüber 2021nur Elektro- und Wasserstoffautos
Kommissionsentwurf (Dez. 2025)−90 %Verbrenner nur bei voller Kompensation
Mitte-Kompromiss (Okt. 2026)−95 %, mit Stahlkredit bis −87,5 %winzige Nische für Verbrenner und Hybride
Transporter im Kompromiss−80 % statt −100 %Hybride und Verbrenner bleiben länger

Der EVP-Abgeordnete Massimiliano Salini nennt den Deal einen Sieg der technologischen Freiheit: Die Zulassung von Verbrennern ohne Ausgleichsverpflichtungen bleibe möglich, und der Stahlkredit belohne europäische Produktion.

Unsere Einigung markiert einen Wendepunkt für die europäische Automobilindustrie: Die Zulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ohne Ausgleichsverpflichtungen bleibt möglich.

— Massimiliano Salini, EVP-Abgeordneter im Europäischen Parlament

Kritiker sehen das anders. Laut electrive aushandelten die Unterhändler der drei Fraktionen den Entwurf nach zähem Ringen — und selbst die gelockerten Prozente zwingen die Konzerne, fast die gesamte Modellpalette zu elektrifizieren. Die Grünen kritisieren von links einen Rückschritt beim Klimaschutz, die Rechten kritisieren genau das Gegenteil: Das Verbot kehre unter dem Deckmantel der „Flexibilität” zurück.

Wer die Mehrheit baut — und wer dagegen ist

Die Mehrheit trägt die sogenannte Mitte-Plattform: die Fraktionen EVP, S&D und Renew Europe. In der österreichischen Übersetzung sind das die Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und NEOS. Wie electrive meldet, stimmten im Industrieausschuss alle Abgeordneten der drei Fraktionen identisch — eine seltene Geschlossenheit.

Dagegen formiert sich Widerstand von zwei Seiten. Die Grünen halten den Kompromiss für einen Verrat an den Klimazielen und fordern das 100-Prozent-Ziel zurück. Die FPÖ wirft der ÖVP Umfaller bei ihren Wahlversprechen vor: Noch im Dezember hatte Wien das „Ende des Verbrenner-Verbots” gemeldet, jetzt stimmt sie für minus 95 Prozent. In einer Aussendung der FPÖ heißt es, das Verbot komme durch die Hintertür zurück — und rund 300.000 Arbeitsplätze im österreichischen Automobilbereich seien bedroht.

Bemerkenswert: Die österreichische Regierung selbst hat keine gemeinsame Linie gefunden. Wie die Zeitung Die Presse schreibt, rang die Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS lange um eine einheitliche Position — die Interessen der Importeure kollidierten mit den Klimaverpflichtungen des Landes.

Was das für Autofahrer in Österreich bedeutet

Die wichtigste Regel ändert sich nicht: Ihr jetziges Auto wird nicht verboten. Alle Limits betreffen nur Neuzulassungen ab 2035. Fahren, Verkaufen und Weitergeben eines Benziners oder Diesels bleibt auch danach erlaubt.

Vom Gebrauchtwagenmarkt profitiert man sogar: Der Bestand an Verbrennern bleibt groß, neue Verbrennermodelle werden selten — Die Nachfrage verlagert sich in den Gebrauchtwagenmarkt, wo die Preise ohnehin stabil sind. Wer kaufen will, sollte auch die Steuerseite im Blick behalten: Für E-Autos gelten in Österreich weiterhin NoVA- und Kfz-Steuer-Vorteile, und die Kosten pro Kilometer sind niedriger.

E-Auto lädt an einer Wiener Ladesäule vor dem Hintergrund der neuen EU-CO₂-Regeln

Für Betriebe zählt das Detail bei den Transportern: Das Ziel „minus 80 Prozent” bis 2035 gibt kleinen Unternehmen mehr Zeit für den Flottenumstieg. Für die heimische Industrie ist der Deal gemischt. Die E-Motorenproduktion in Steyr bekommt einen stabilen Nachfragehorizont, Zulieferer für Verbrenner verlieren dagegen Markt. Ein klarer Gewinner ist die Voestalpine mit ihrem grünen Stahl Greentec: Die Kreditregeln für CO₂-armen Stahl sind faktisch auf solche Werke zugeschnitten. Die FPÖ warnt derweil, Hunderttausende Jobs stünden auf dem Spiel, und fordert die volle Abschaffung der Verbote.

Und die laufenden Kosten nicht vergessen: Sprit bleibt der größte Posten im Autofahrerbudget — unser Artikel zur Kontrolle der Tankstellen zeigt, wie Sie den Überblick behalten.

Wie es weitergeht: Plenum im Dezember, dann der Rat

Die nächste Station ist die Plenarabstimmung des EU-Parlaments im Dezember. Dort reicht eine einfache Mehrheit, und die drei Ja-Stimmen der Ausschüsse gelten als guter Wegweiser. Das letzte Wort hat aber nicht das Parlament: Danach muss der Rat der EU zustimmen — mit qualifizierter Mehrheit, also mindestens 15 Staaten mit 65 Prozent der Unionsbevölkerung.

Der Schlüssel liegt bei der deutsch-französischen Achse. Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron haben sich längst auf eine gemeinsame Position verständigt: minus 90 Prozent ohne Kompensationspflicht. Laut electrive gilt dieser Kompromiss als wegweisend für den Rat. Das endgültige Gesetz wird von den Parlamentszahlen wohl abweichen — Industrie und Mitgliedstaaten feilschen bis zur letzten Abstimmung.

EU-Rat als nächste Station: Parlamentsgebäude und europäische CO₂-Politik

Häufig gestellte Fragen

Werden meine jetzigen Benzin- und Dieselautos verboten? Nein. Alle Regeln betreffen nur Neuzulassungen ab 2035. Bestehende Autos dürfen weiter gefahren, verkauft und gekauft werden — ohne Einschränkung.

Kann ich nach 2035 noch einen neuen Verbrenner kaufen? Formell ja — der Kompromiss lässt eine Nische für Hybride und Verbrenner zu. Bei einer Pflicht von minus 95 Prozent CO₂ werden solche Modelle aber selten und vermutlich teuer.

Was passiert mit den Gebrauchtwagenpreisen? Die Nachfrage steigt: Neue Verbrenner verschwinden fast, der Bestand muss aber weiter rollen. In Österreich sind die Gebrauchtwagenpreise bereits jetzt stabil.

Wozu dient der grüne Stahl im Gesetz? Hersteller erhalten einen Kredit von bis zu 7,5 Prozentpunkten, wenn sie CO₂-armen europäischen Stahl verbauen. Das ist ein Bonus für Stahlwerke wie die Voestalpine — und ein Zugeständnis an die Industrie.

Wann fällt die endgültige Entscheidung? Das Parlament stimmt voraussichtlich im Dezember 2026 ab, danach der Rat der EU. Bis zur finalen Verabschiedung können die Zahlen noch ändern.

Fazit: Die Prozente entscheiden mehr als die Schlagzeilen

Das Verbrenner-Verbot ist nicht verschwunden — es ist in Prozenttabellen umgezogen. Minus 95 Prozent bis 2035 heißt: Die überwiegende Mehrheit neuer Autos wird elektrisch fahren, die Nische für Verbrenner bleibt symbolisch. Für Autofahrer bedeutet das:

  • Ihr jetziges Auto bleibt — Fahrverbote stehen nicht zur Debatte.
  • Der Gebrauchtwagenmarkt lebt weiter und ist derzeit der günstigste Weg zu einem „neuen” Auto.
  • Wer ab 2035 ein neues Auto kauft, kauft faktisch ein E-Auto — denken Sie früh an Ladeinfrastruktur und Steuervorteile.
  • Beobachten Sie die Dezemberabstimmung und den Rat der EU: Die Zahlen können noch kippen.

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